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Jugenddorf Falckenstein : Verein zur Kieler Jugenderholung feiert seine Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Großer Urlaub für kleines Geld, das war und ist das Motto des Jugenddorfes direkt am Falckensteiner Strand. Einst sollten sich am Stadtrand die Kinder aus den Arbeitervierteln in den Ferien erholen, heute trifft sich hier die Jugend aus aller Welt.

Ob tatsächlich schon die Hälfte aller Kinder aus Kiel ihre Ferien im Jugenddorf Falckenstein am Strand von Kiel-Friedrichsort verbracht hat, wie gemunkelt wird, ist statistisch nicht belegt. Sicher ist aber, dass dieses Gelände seit den 1920er Jahren der sogenannten Stadtranderholung diente, zunächst Kindern aus dem Kieler Raum, später aus ganz Deutschland. Heute treffen sich hier jährlich rund 1000 Kinder und Jugendliche aus aller Welt.

Gegründet wurde das Dorf anlässlich der olympischen Segelwettbewerbe 1972 als olympisches Jugenddorf vom Verein Kieler Jugenderholung e.V. Dieser feierte am Sonnabend sein 50-jähriges Bestehen. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) kam zum Gratulieren. Gerwin Stöcken (SPD), neuer Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport, verabschiedete sich offiziel von seiner langjährigen Tätigkeit als Vereinsfunktionär – „wegen der Transparenz“, wie er sagte. Aber: „Ich bin dem Dorf seit mehr als 42 Jahren verbunden und werde es auch weiterhin bleiben.“

Das Jugenddorf Falckenstein bietet Kindern, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen, viel Platz zum Spielen im Freien, flankiert von Freizeitangeboten. Es herrscht striktes Handy- und Internetverbot. „Die Kinder gewöhnen sich in der Regel schnell an das Verbot. Sie genießen es, in der Natur zu sein“, sagt Beate Wentz, die für die Organisation der Ferienreisen zuständig ist. Sie beobachtet immer wieder, dass Kinder hier im Jugenddorf Dinge tun, von denen sie gar nicht wussten, dass sie dazu überhaupt in der Lage sind – eine wichtige Erfahrung für die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens. Beate Wentz würde gerne mehr Erzieherinnen in der Ausbildung und mehr angehende sozialpädagogische Assistenten dafür gewinnen, ihr Praktikum in den Sommerferien im Feriendorf zu verbringen. „Praktikanten habe bei uns die Möglichkeit, eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen“, versprach sie.

Gerwin Stöcken, der im Jugenddorf Strandfahrten organisiert hatte, blickte auf die Geschichte des Jugenddorfs zurück. Angefangen hatte es mit einfachen Baracken, die nur gegen Regen schützen sollten. Damals hatte es geheißen: „Vier Hektar Land, stellt Häuser drauf und lasst es bespielbar sein. Wer hätte gedacht, dass ein Provisorium so lange halten würde“, sagt er stolz. Anne Gräfin von Schlieffen, stellvertretende Vereinsvorsitzende, erzählte von den Anfängen. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Kieler Kinder mit einem Dampfer zunächst nach Christianspries, später dann an den Falckensteiner Strand gefahren. Wichtig für die Kinder: Auf dem Dampfer gab es Milch und etwas zu essen.

Die sogenannten „Nurdach“-Häuser und Appartements des Jugenddorfs sind behindertengerecht ausgebaut und verfügen teilweise über eine Fußbodenheizung. Der Strandkindergarten Friedrichsort ist hier das ganze Jahr über aktiv. In einem Teil des Dorfes sind die Häuser um einen Platz herum angelegt, sodass hier ein gemeinschaftliches Leben möglich ist. Um sich auch auf moderne und höhere Ansprüche der Gäste einstellen zu können, stehen wichtige Renovierungen und Umbaumaßnahmen an. Die Idee: Zehn Häuser abzureißen und dort Gebäude mit Ein- und Zweibettzimmer anbieten zu können.Dafür werden rund 1,1 Millionen Euro benötigt. Gerwin Stöcken regte eine „Sympathieaktie“ an. Es gäbe so viele, die mit dem Verein und dem Jugenddorf verbunden sind. Wenn jeder einen Beitrag leistet, sei dem Verein schon sehr geholfen.

Ministerpräsident Albig betonte, wie wichtig Ferien für jedes einzelne Kind seien. Er schätzte vor allem die Nachhaltigkeit des Projekts. „Ich bin gekommen, um Danke zu sagen. Wir wissen, dass viel zu tun ist und dass es nicht einfach ist. Aber wir werden die Probleme Stück für Stück gemeinsam bewältigen“, versprach er. Andreas Ross von der Fördesparkasse brachte gleich konkrete Hilfe mit und übergab dem Verein einen Scheck mit Grüßen vom Vorstand.


Das Feriendorf Falckenstein kann auch von Privatpersonen genutzt werden. Ein mit moderner Technik ausgestatteter Seminarraum kann für Seminare gebucht werden. Nähere Infos unter www.jugenddorf-falckenstein.de



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erstellt am 08.Sep.2014 | 05:18 Uhr

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