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Prozess in Kiel : Vater missbraucht Neunjährige - Haftstrafe

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Neun Jahre war die Tochter, als sich ihr Vater zum ersten Mal an ihr verging. Jetzt bekommt sie Schmerzensgeld.

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2015 | 16:29 Uhr

Kiel | Wegen sexuellen Missbrauchs seiner kleinen Tochter ist ein 36-jähriger Vater am Donnerstag in Kiel zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter der zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts, Stefan Becker, sagte bei der Urteilsverkündung, nach Überzeugung des Gerichts habe der Mann in den Jahren 2009 und 2010 seine damals neun- und zehnjährige Tochter mindestens vier Mal missbraucht. Er wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch einer Schutzbefohlenen verurteilt. Außerdem muss er seiner Tochter ein Schmerzensgeld zahlen. Die Höhe ist noch festzulegen.

Der Verurteilte konnte das Gericht verlassen. Er muss seine Haft erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist, wie eine Gerichtssprecherin erläuterte. Gegen das Urteil ist innerhalb einer Woche Revision möglich.

Die heute 15-Jährige habe das Gericht als glaubwürdige Zeugin überzeugt, sagte Becker. „Die Aussagequalität ist sehr hoch.“ Das Mädchen habe eine Vielzahl von Details, auch ungewöhnliche Details geschildert. Zudem habe die Missbrauchte trotz der Geschehnisse zum Ausdruck gebracht, „dass sie ihren Vater mag und nicht will, dass er in den Knast kommt“. Die psychischen Folgen des Missbrauchs ließen sich für das Mädchen kaum abschätzen.

Die Anklage hatte sich auf die Aussagen des Mädchens und ihres jüngeren Bruders gestützt. Sie hatten sich 2012 der Mutter offenbart, die dann Strafanzeige stellte.

Der 36-jährige erschien zur Urteilsverkündung in einem grauen Sweatshirt. Er schüttelte mehrfach den Kopf und sagte beim Verlassen des Gerichtssaales halblaut spöttisch: „Das ist also der Rechtsstaat.“ Im Prozess hatte er sich zu den Vorwürfen gegen ihn nicht geäußert. Lediglich in seinem Schlusswort habe er die Lebensumstände allgemein geschildert, sagte der Richter.

Dafür hatte seine Ex-Frau ausgesagt. Sie trennte sich Ende 2010 von dem Vater ihrer vier Kinder. 2012, als sie ein zweites Mal heiratete, habe ihr der jüngerer Sohn plötzlich erzählt: „Du Mama, Papa hat was ganz Böses gemacht.“ Auf ihre Nachfragen habe sie dann von dem mutmaßlichen Missbrauch erfahren, den dann auch die Tochter mit den Worten bestätigt habe: „Du Mama, das darfst Du gar nicht wissen.“ Die 35-Jährige wandte sich sofort an den Kinderschutzbund, später dann an die Polizei, wie sie berichtete.

Zu den Übergriffen kam es laut Anklage während die Mutter nicht im Haus war. Sie und ihr Ex-Mann kannten sich seit früher Jugend und waren sieben Jahre lang verheiratet. Bis zur Geburt der Tochter seien sie ein Traumpaar gewesen, berichtete die Frau. Dann sei er gewalttätig geworden und habe sie auch krankenhausreif geschlagen.

 

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