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Aufgespiesste Polizeiwagen : Urteil in Kiel: Nach Amokfahrt soll Landwirt dauerhaft in Psychiatrie

vom

Die Verteidigung kündigte Revision an. Sie plädiert dafür, dass der Mann auf einem therapeutisch ausgerichteten Biohof untergebracht wird.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 16:55 Uhr

Kiel | Für seine Amokfahrt mit einem Traktor muss ein Landwirt aus dem Kreis Plön dauerhaft in die Psychiatrie. Das Kieler Landgericht ordnete am Dienstag in einem Sicherungsverfahren die dauerhafte Unterbringung des 53-Jährigen in einer psychiatrischen Fachklinik an. Mit dem Urteil bejahte das Schwurgericht eine Gefährlichkeit des Mannes für die Öffentlichkeit. Er ist bereits seit seiner Amokfahrt im vergangenen Mai in der Fachklinik in Neustadt vorläufig untergebracht.

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag des Staatsanwaltes. Der Landwirt rastete demnach am 4. Mai 2016 auf seinem Hof in Ascheberg im „Zustand der Schuldunfähigkeit“ aus, als Amtstierärzte in Begleitung von Polizeibeamten seine Kühe mit Ohrmarken versahen. Er hatte sich jahrelang gegen entsprechende Anordnungen gewehrt. Mit seinem Traktor demolierte der Mann mehrere Polizeieinsatzfahrzeuge und das Fahrzeug eines Tierarztes. Einen Polizeiwagen schlitzte er seitlich auf, einen Polizeitransporter kippte er aufs Dach.

Die Verteidiger kündigten bereits vor der Urteilsverkündung Revision an. Sie hatten für eine Unterbringung des Familienvaters auf einem sozialtherapeutisch ausgerichteten Biohof plädiert. Eine gesetzliche Betreuung solle zudem seine behördlichen Angelegenheiten regeln. Dabei stützten sie sich auf den Gutachter, der von einer isolierten Wahnvorstellung des Mannes nur gegenüber Polizei und Behörden gesprochen habe.

Mehrere Polizeiwagen zerstörter der Mann mit seinem Traktor.
Mehrere Polizeiwagen zerstörter der Mann mit seinem Traktor. Foto: Danfoto
 

Der Staatsanwalt wertet die Traktor-Attacke des Landwirts auf einen mit drei Beamten besetztes Polizeiwagen als versuchtes Tötungsdelikt. Weil der Landwirt aber „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ handelte, ging es für die Staatsanwaltschaft um die Unterbringung in der Psychiatrie und nicht im Gefängnis.

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