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Hans-Christian-Andersen-Schule in Kiel : Urlaub statt Unterricht – Schulleiter suspendiert

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Statt seine Schüler zu unterrichten, soll er private Termine besucht haben – mit Folgen.

Kiel | Er war bis vor kurzem Leiter einer Vorzeigeschule im Land, schüttelte Ministern und Honoratioren die Hand. Und führte sie stolz durch die Klassenzimmer. Jetzt musste Michael B., bislang Rektor der Hans-Christian-Andersen-Schule in Kiel, die Schlüssel abgeben und darf seine Schule vorerst nicht mehr betreten.

Was ihm vorgeworfen wird? Er soll über eine längere Zeit – gesprochen wird sogar von Jahren – seiner Unterrichtsverpflichtung nicht nachgekommen sein. Das Kieler Bildungsministerium bestätigte am Dienstag, dass der Schulleiter „mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert wurde“. Näheres wollte Ministeriumssprecher Thomas Schunck auf Nachfrage nicht zu dem Fall sagen. Nur so viel: „Der Vorgang wird intensiv geprüft.“ Ob das Verhalten des Schulleiters am Ende womöglich auch strafrechtliche Folgen haben wird, sei noch offen. Auf dem Spiel steht für den Betroffenen sogar seine Pension.

Berichtet wird von Lehrerkollegen und Eltern, dass Michael B. während der Schulzeit angeblich private Termine erledigte, mehrfach nicht anwesend gewesen sein soll, ja sogar Urlaub machte. Auf Unmut stieß zudem, dass der 61-Jährige zeitweise zwei große Hunde mit in die Schule brachte, neuerdings sogar seinen kleinen Sohn. Um den Vorwürfen nachzugehen, der Schulleiter sei seiner Unterrichtsverpflichtung nicht nachgekommen, wurden offenbar die Klassenbücher mehrerer Schuljahre konfisziert und ins Kieler Schulamt gebracht.

Grundsätzlich müssen Lehrer an Grundschulen 28 Stunden Unterricht pro Woche erteilen. Für die Aufgaben, die mit der Leitungsfunktion zusammenhängen, zum Beispiel Stundenpläne koordinieren oder Vertretungspläne erstellen, wird das Stundendepot der Schulleiter jedoch reduziert. Der Rektor einer kleinen Grundschule muss laut Erlass sieben Stunden weniger unterrichten als ein „normaler“ Lehrer. Bei Schulen mit bis zu 400 Schülern – in diese Kategorie fällt die Hans-Christian-Andersen-Schule – beträgt die Ermäßigung sogar mindestens 15 Stunden. Höchstens 13 Stunden hätte Michael B. also vor einer Klasse stehen müssen. Durch zusätzliche Entlastungen für den Ganztagsunterricht sowie Altersermäßigungen reduzieren sich die Verpflichtungen weiter, im Fall von Michael B. auf nur noch neun Stunden Unterrichtspflicht. Aber auch die soll der Schulleiter nicht erfüllt haben.

Die Hans-Christian-Andersen-Schule in Kiel-Gaarden ist eine gebundene Ganztags-Grundschule mit knapp 370 Schülern aus mehr als 25 Nationen und nur sehr wenigen deutschen Kindern. Das Hauptgebäude ist frisch renoviert, energetisch saniert und erhielt 2015 eine Mensa mit Räumen für Projekte und Theateraufführungen, die nicht nur von der Schule, sondern auch von anderen Trägern aus dem Stadtteil genutzt werden können.

Zur Einweihung des 7,8 Millionen Euro teuren Umbaus reiste damals Bundesbauministerin Barbara Hendricks an. Ob Schuldenberatung, Deutschkurse für Eltern, Zahnputztraining für Kinder mit den landesweit schlechtesten Zähnen oder Kochkurse für Väter und Mütter, die ihren Nachwuchs oft mit leerem Magen zur Schule schicken: In den neuen Räumen ist eine ganze Bandbreite sozialer Angebote, neuer Bildungsformen und der Integrationsarbeit im Problem-Kiez Gaarden möglich. Die Sorge im Stadtteil ist jetzt groß. „Das letzte, was wir hier brauchen können, ist zusätzliche Unruhe“, erklärte eine Mutter.

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erstellt am 14.Jun.2017 | 15:14 Uhr

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