BUND SH : Urlaub mal nachhaltig

Eine Nacht im Strohbett.
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Eine Nacht im Strohbett.

Eine Gruppe junger Kieler machte sechs Tage lang Urlaub in Schleswig-Holstein: ökologisch, günstig und abenteuerlich.

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17. August 2018, 06:00 Uhr

Spanien, Italien und die USA – die Lieblingsreiseziele der Deutschen liegen weder direkt vor der heimischen Haustür, noch sind sie besonders günstig zu genießen. Aber warum nicht auch mal ein paar Tage im eigenen – vermeintlich bekannten – Revier erholen und dabei auch gleich noch etwas für die Umwelt tun? Die BUND Jugend macht es vor: Eine Woche lang waren Kristina, Lena, Emelie, Marina, Lukas und Annika in Schleswig-Holstein unterwegs – auf Schusters Rappen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln – und lernten so ganz neue Facetten ihrer Heimat kennen.

Kristina Rauf, wissenschaftliche Referentin beim BUND Schleswig-Holstein, erklärt, die einwöchige Reise sollte möglichst wenig Geld kosten, nachhaltig sein und an Orte des gesellschaftlichen Wandels führen – „beispielsweise alternative, generationsübergreifende Wohnprojekte oder ökologische Höfe“. Über Facebook startete die 30-Jährige den Aufruf zu „Glücksvagabund*innen on Tour“ und so folgten diesem neben FÖJ’lerin Lena Märtens auch Lukas Umlauft, Emelie Jogschies, Annika Hinrichs-Binz und Marina Borutta. „Als ich die Mail vom BUND bekam, dachte ich, diese Chance muss man nutzen“, sagt Emelie. Und nach sechs Nächten in einer Jurte, im Stroh oder im Zelt „irgendwo im Nirgendwo“ bereut die Studentin ihre Entscheidung nicht: „Ich habe gemerkt, dass es gar nicht immer der Standardurlaub sein muss – weniger ist oft mehr.“

Der erste Tag führte die Rucksackreisenden nach Bokel. Mit dem Zug ging es zunächst nach Rendsburg und per Kleinbus und auf der Ladefläche eines LKW zum Ziel: Hof Ulliwood. Annika: „Thomas und die Bewohner haben dort ein naturbelassenes Paradies erschaffen und unsere Jurte für die Nacht stand mittendrin.“ Nach einem Mittagessen am Froschteich gab es für die „Vagabund*innen“ eine Führung über den Hof, der ganz nebenbei auch ein Zirkuswagen-Hostel ist. Die Nacht in der Jurte war dann überraschend kalt, berichtet Kristina: „Wir hatten uns auf ganz andere Temperaturen vorbereitet, und in dieser Nacht hatten wir um die zehn Grad.“

Am nächsten Morgen ging es nach einer Tasse heißem Tee weiter. Entlang der Steilküste und begleitet von Regenschauern wanderte die Gruppe nach Damp. Der Kleinbus brachte sie zum Schulbauernhof Helle in Thumby. „ Bei einem warmen Abendessen stiegen wir gleich in tiefgründige Gespräche ein“, erzählt Kristina. Danach lernten die Kieler dann alle Bewohner des Hofes kennen, unter anderem Terrier Ida, Kater Nero, die Ponys Krümel und Keks, Esel, Hühner, Laufenten und mehr. „Und als es dunkel wurde, saßen wir alle draußen gemütlich bei Kerzenlicht zusammen und haben über Gott und die Welt gequatscht.“ Tag drei der Reise: Per Kleinbus und Bahn ging es nach Wanderup. „Dort hat sich eine Solawi, eine solidarische Landwirtschaft, gegründet“, so Emelie. Mit seiner Draußenküche inklusive Holztischen, Gasherd und großem Zeltdach, Erdkeller und vielen Gewächshäusern begeisterte der Gärtnerhof die Kunststudentin. Die Solawi, erklärt sie, lebe von gemeinschaftlich getragenem Anbau. Die Mitglieder erhalten für einen monatlichen Beitrag einmal pro Woche eine Kiste mit saisonalem, biodynamisch angebauten Gemüse. „Am Ende durften wir uns sogar etwas Gemüse fürs Abendessen ernten. Das war vielleicht lecker.“

Am vierten Tag der Vagabund*innen-Tour wartet der Schümannhof in Brande-Hörnerkirchen auf die Reisegruppe. „Der Hof hat vor 40 Jahren von Tierhaltung auf biologischen Gemüse- und Getreideanbau umgestellt“, sagt Lukas. Heute würden dort knapp 50 verschiedene Gemüsesorten, Feldfrüchte und Getreide angebaut. Übernachtet wurde dann im Stroh. Die letzte Station führte in den Barfußpark des Kiwebu-Vereins Todesfelde. „Der Verein setzt sich für Naturerlebnispädagogik ein“, so Lukas. Das Gelände bietet neben Bauwagen eine Holzwerkstatt, eine Feuerstelle und einen Lehmbackofen. „Abends haben wir mit unseren Gastgebern eine leckere Kürbissuppe über dem Feuer gekocht und von unserer Reise erzählt.“

Die Bilanz der Reisegruppe: Das Urlaubsglück liegt nahe und muss nicht teuer sein. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es solch spannende Projekte in Deutschland überhaupt gibt“, sagt Emelie. „Die Leute auf den Höfen waren alle so herzlich, wir haben so tolle Gespräche geführt.“ Für Kristina ist klar: „Man sollte viel öfter den Rucksack nehmen und einfach losgehen.“ Die vergangenen sechs Tage hätten gezeigt, man müsse nur auf Menschen zugehen und sie fragen, ob man das Zelt bei ihnen aufschlagen könne. „Die Gastfreundschaft und das Interesse an unserem Projekt war überwältigend.“

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