Den Ruf verbessern : Unterwegs zum schönen Bahnhof

Oberbürgermeister als Kletter-Maxe: Persönlich schraubte Ulf Kämpfer eines der neuen Fahrradschilder vor dem Bahnhof an.
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Oberbürgermeister als Kletter-Maxe: Persönlich schraubte Ulf Kämpfer eines der neuen Fahrradschilder vor dem Bahnhof an.

Ein Jahr nach Bündnis-Gründung stellte die Stadt gestern die ersten Maßnahmen vor: Reinigung, Radkontrolle, Sozialarbeit sollen helfen, den Hauptbahnhof mit seinem Vorplatz zu dem zu machen, was er mal war: Visitenkarte der Landeshauptstadt.

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27. März 2019, 17:40 Uhr



Von Hamburg lernen heißt Zufriedenheit lernen – so lässt sich die Aufstellung eines Pissoirs vor dem Kieler Hauptbahnhof erklären. Denn seitdem auf der Südseite des Hamburger Hauptbahnhofes eine rostfreie Pinkelbude steht, sind in der Hansestadt die Beschwerden von Bahnkunden über stinkige Zustände deutlich zurückgegangen. Einfache Mittel entfalten manchmal eine große Wirkung. Das Pissoir gehört in Kiel zu den Maßnahmen, das Bahnhofsgelände wieder sauberer und schöner zu machen.

Vor genau einem Jahr hatte sich ein Bündnis gegründet mit der erklärten Absicht, den Hauptbahnhof der Landeshauptstadt aufzuwerten. Etliche der im Frühjahr 2018 bekundeten Absichtserklärungen sind bereits oder werden umgesetzt. So gibt es regelmäßige Nassreinigungen. Demolierte Drahtesel, die sogenannten „Schrotträder“, werden zunächst markiert und später abtransportiert. Das schafft Platz für tatsächliche Umsteiger und signalisiert Bahnkunden zugleich, dass hier aufgeräumt wird. 125 schlaffe Räder hat der Abfallwirtschaftsbetrieb im vergangenen Jahr vor dem Hauptbahnhof entdeckt – nur jeder vierte Besitzer meldete sich.

„Der Bahnhofsvorplatz wird wieder attraktiv“, hofft Ralf Kruse von der Deutschen Bahn. Mögliche Konflikte zwischen Passagieren und gestrandeten biertrinkenden Gruppen will Till Bortels entschärfen, der erste der beiden Straßensozialarbeiter mit dem Einsatzgebiet Bahnhof. Noch im April soll er eine Kollegin bekommen, beide Stellen finanziert die Stadt.

Der künftige neue Zob gleich gegenüber, die anvisierten Neubauten auf der anderen Seite der Hörn – der Kieler Hauptbahnhof dürfte in den nächsten Jahren noch quirliger werden. Mit dem Bündnis verfolgt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ein klares Ziel: „Gemeinsam mit allen Akteuren vor Ort wollen wir den Hauptbahnhof zur Visitenkarte der Stadt machen.“ Es gehe nicht darum, unliebsame Gruppen zu vergrämen, sondern um ein friedliches Nebeneinander nach anerkannten Regeln.

Noch im Sommer sollen im Übrigen die ersten 500 Räder für das „Bike-Sharing“ in der Innenstadt anrollen. Bahntouristen können dann vom Zug quasi direkt auf den Fahrradsattel umsteigen – auch von diesem Öko-Projekt erhofft sich die Stadt eine massive Aufwertung des Hauptbahnhofes.

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