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Moderne Medizin : Uniklinik als Taktgeber für das Herz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kiel wurde jetzt am Uniklinikum ein neues Herzkatheter-Labor eingeweiht: Die moderne Medizin-Technik sorgt für schnellere und schonendere Behandlung von Patienten mit Rhythmus-Störungen.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 06:51 Uhr

Herzstolpern kennen viele. Nicht immer steckt eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter. Doch mit zunehmendem Alter besteht das Risiko, krankhafte Herzrhythmus-Störungen zu entwickeln. Bei dem häufigen Vorhofflimmern etwa gerät der normale Sinus-Rhythmus aus dem Takt – die Gefahr eines Schlaganfalls steigt. Nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit einem Eingriff können Ärzte dies therapieren. An der Kieler Uniklinik wurde jetzt ein Neubau eingeweiht, der modernste Technologie zur Verfügung stellt. An dem neuen Herzkatheter-Messplatz, dem Herzstück des Anbaus an der Klinik für Innere Medizin, können Patienten mit Rhythmus-Störungen jetzt noch schneller, präziser und schonender behandelt werden. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Jens Scholz, bei der Schlüsselübergabe mit Gästen aus dem Kieler Wissenschaftsministerium und Bundestagsabgeordneten.

Insgesamt 250 Quadratmeter groß ist der Bau, dessen Labor Prof. Dr. Hendrik Bonnemeier leitet – und er ist stolz darauf. Sein Anspruch: „Alle Rhythmusstörungen können wir hier in Kiel behandeln.“ Lange habe er für die Modernisierung gekämpft, sagte der Spezialist, der das sogenannte Ablations-Verfahren seit gut vier Jahren in Kiel anbietet und anfangs mit einer Einrichtung aus den 90er Jahren arbeiten musste. Nun kann er laut UKSH mit dem „deutschlandweit ersten volldigitalen Katheter-Interventionssystem dieser Bauart“ behandeln und auch Herzschrittmacher implantieren.

An der Decke ist die Anlage angebracht, damit sie um den Patienten auf dem Behandlungstisch rotieren kann. Eine extrem stabile Konstruktion, um Erschütterungen auszuschließen, die fatale Folgen haben könnten: Bei der Ablation wird mit Hilfe von Kathetern und Hochfrequenz-Strom die Störung direkt im Herzen lokalisiert und behoben. Moderne 3-D-Bildgebung für präzise Diagnostik hilft dabei.

Man mag es kaum glauben, dass der Neubau in nur 50 Tagen hochgezogen und ausgebaut wurde. Grund ist die Bauweise mit vorgefertigten Container-Modulen. Neben dem Behandlungsraum gibt es noch eine „Kommando-Zentrale“ mit weiteren Bildschirmen, Platz für technische Infrastruktur, einen Bereich für die Überwachung von Patienten sowie eine Wartezone für Betten. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 3,3 Millionen Euro, allein die Herzkatheter-Anlage kostete rund eine Million Euro. Eine Investition, für die die Uniklinik einen Kredit aufgenommen hat. Allerdings ist der Betrieb der Anlage nach Auskunft vom zuständigen Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) nur für die Dauer von fünf Jahren vorgesehen. Dann soll sie voraussichtlich zurückgebaut werden, um Platz für einen Neubau der Klinik für Innere Medizin zu machen.

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