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NS-Karriere : Uni entzieht Schittenhelm die Ehrensenatorwürde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 19:35 Uhr

Er war alles andere als ein bloßer Mitläufer, er hat vielmehr die Politik der Nationalsozialisten an der Universität aktiv durchgesetzt und darauf seine eigene Karriere aufgebaut – die Christian-Albrechts-Universität hat gestern ganz offiziell dem Internisten und Professor Alfred Schittenhelm die Ehrensenatorwürde entzogen. Diese Auszeichnung hatte die CAU ihm 1951 zuerkannt – sechs Jahre zuvor hatte die britische Militärregierung ihn aus dem Hochschuldienst entlassen. Die Entscheidung im Akademischen Senat fiel gestern einstimming, wie Professorin Silke Göttsch-Elten als Vorsitzende mitteilte. Sie ergänzte: : „Die Ernennung zum Ehrensenator ist heute nicht mehr nachvollziehbar.“

Ausschlaggebend für die Aberkennung sind jüngere Forschungen zu Schittenhelms Verstrickungen in die NS-Diktatur. So hatte eine Gruppe um die Professoren Oliver Auge und Norbert Luttenberger im Projekt „Kieler Gelehrtenverzeichnis“ die Lebensläufe von Wissenschaftlern unter die Lupe genommen. Und danach gehörte Schittenhelm zu den am stärksten belasteten deutschen Internisten überhaupt. Er betrieb 1933 die Absetzung des (jüdischen) Vorsitzenden Leopold Lichtwitz und schaltete als Nachfolger die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) gleich. Vollmachten holte er sich bei den neuen Machthabern in Berlin, seine Schwerpunkte lagen auf den Feldern Rassenhygiene und Erbbiologie.

Schittenhelm, Mitglied sowohl der NSDAP wie der SS, richtete bereits 1934/35 in seiner Klinik (in München) eine Abteilung für „Erbpflege und Erbforschung“ ein und arbeitete an einer „Kartei der erbkranken Familien. 1947 aus der Internierung entlassen, erreichte er 1949 seine erneute Ernennung zum Professor. Bis zu seinem Tode 1954 lebte er mit vollen Ruhestandsbezügen in Rottach-Egern.

Geändert wird jetzt wohl auch ein Straßenname im Uni-Klinikum: Nicht nur die Dermatologie und die Chirurgie haben ihren Sitz bislang an der Schittenhelmstraße.

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