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Austausch und Türöffner : Ungleiche Schwestern: Kiel und San Francisco werden Partnerstädte

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Kiel schließt als erste deutsche Stadt eine Städtepartnerschaft mit San Francisco. Am Freitag kommt eine Delegation in die Landeshauptstadt.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2017 | 11:30 Uhr

Kiel | Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) setzt große Erwartungen in die Städtepartnerschaft mit San Francisco. Der Vertrag, der an diesem Freitag (22.September) bei einer feierlichen Zeremonie in der Landeshauptstadt unterschrieben werden soll, umfasse verschiedene Bereiche von der Wirtschaftsentwicklung über Bildung, Wissenschaft und Innovation, sagte Kämpfer. Er hoffe, dass dies für Kiel auch ein Türöffner zum nahen Silicon Valley werde, dem bedeutenden IT-Standort am südlichen Ende der Bucht von San Francisco. Bürgermeister Edwin M. Lee will mit einer etwa 40-köpfigen Delegation am Donnerstag in Hamburg landen und nach Kiel fahren.

Kämpfer hob hervor, dass Kiel die erste deutsche Partnerstadt der weltberühmten kalifornischen Stadt mit der Golden Gate Bridge sei - und dies wohl auch bleiben werde. Denn San Francisco schließe stets nur mit einer Stadt pro Nation eine Partnerschaft, sagte Kämpfer. In der Vergangenheit habe es wohl bereits Bemühungen von Heidelberg und Frankfurt gegeben.

Dass Kiel zum Zuge kam, führt Kämpfer auf zwei Cousins zurück - den Kieler Unternehmensberater Thomas Ewoldt und Mark Farrell, einen Stadtdezernenten in San Francisco. Farrells Mutter stammt aus der Region Probstei bei Kiel. Die Stewardess wanderte vor Jahrzehnten aus und lebt in San Francisco. „Mark Farrell hat seine Kindheitsurlaube in Kiel und im Umland verbracht. Die beiden Cousins sind befreundet, und das ist ein bisschen der Kern“, sagte Kämpfer.

Über die vergangenen Jahre habe sich eine wachsende Community gegründet, „und dann hat das immer weitere Kreise gezogen“. Eine zentrale Rolle spielten dabei der Kieler Verein „The Bay Areas“ und der Schwesterverein „San Francisco-Kiel Sister Committee“ mit vielen Mitgliedern mit Kieler oder schleswig-holsteinischen Wurzeln.

Im vergangenen September reiste eine Kieler Delegation mit Kämpfer nach San Francisco und ins Silicon Valley. Kurz zuvor habe sich die amerikanische Stadt gemeldet, ob man nicht ein Memorandum of Understanding unterzeichnen wolle, was als erster Schritt hin zu einer Städtepartnerschaft gilt. „Da habe ich natürlich nicht Nein gesagt“, erzählte Kämpfer. „Wir selber hätten es gar nicht gewagt, dies vorzuschlagen.“

Auf den ersten Blick scheinen die weltberühmte US-Stadt (800.000 Einwohner, Region über vier Millionen Menschen) und Kiel (250.000 Einwohner) wenig gemein zu haben, wie Kämpfer einräumte. Beide Städte lägen aber an einer Bucht, seien Hafenstädte. Inzwischen habe eine Arbeitsgruppe eine große Themenpalette ausgearbeitet und mit Initiativen hinterlegt: Wirtschaft, IT, Start-ups, sozialer Zusammenhalt. Und neben den Millionen-Metropolen wie Manila oder Paris habe San Francisco auch mit der irischen Stadt Cork (125.000 Einwohner) eine Partnerschaft. „Also allein die Einwohnerzahl oder die weltpolitische Bedeutung macht es nicht, sondern eine Partnerschaft lebt immer auch von Verbindung.“

Die Delegation aus San Francisco wird bis Sonntag Gast an der Förde sein. Am Donnerstagabend spricht Bürgermeister Lee vor der Kieler Rathausversammlung. Am Freitag diskutiert man nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags über die Digitalisierung in beiden Städten. Ein Besuch ist auf der für ihre U-Boote international renommierten Werft ThyssenKrupp Marine Systems geplant.

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