Umstrittenes Zarendenkmal vor mehr als 100 Gästen enthüllt

Der russische Bildhauer Alexander Taratynov sprach zur Enthüllung der Zaren-Statue ein paar Worte zu den mehr als 100 Besuchern.
Der russische Bildhauer Alexander Taratynov sprach zur Enthüllung der Zaren-Statue ein paar Worte zu den mehr als 100 Besuchern.

shz.de von
14. Juni 2014, 05:41 Uhr

Es ist das einzige Zaren-Denkmal in Deutschland, vor allem aber ein besonders umstrittenes: Vor dem Kieler Schloss wurde gestern vor mehr als 100 Gästen die Bronzestatue des russischen Monarchen Peters III. eingeweiht. Dabei ist nach wie vor umstritten, ob der Herrscher aus dem 18. Jahrhundert wirklich ein Visionär war – oder nicht doch vor allem ein debiler Kindskopf. Dass der Zar ausgerechnet in der Hauptstadt von Schleswig-Holstein ein Denkmal bekommen hat, hängt mit seiner Herkunft zusammen: In Kiel kam er am 21. Februar 1728 als Karl Peter Ulrich zur Welt, wurde schon als Elfjähriger Herzog von Holstein-Gottorf und schließlich russischer Thronfolger. Als Zar regierte er jedoch nur ein halbes Jahr lang, bis er 1762 bei einem Putsch die Macht verlor.

Zur Enthüllung selbst sprach auch der Künstler und russische Bildhauer Alexander Taratynov ein paar Worte: „Vor diesem Auftrag habe ich mich kaum mit der Geschichte des Zaren beschäftigt. Ich freue mich, die Statue heute mit enthüllen zu dürfen.“

Die Initiative für das 400 Kilo schwere Denkmal geht auf den Kieler Zarenverein zurück. Dessen Mitglieder, für die Peter III. ein Reformer mit Weitblick war, haben die Finanzierung der 100 000 Euro teuren Bronzeskulptur organisiert. Der Vereinsvorsitzende Jörg Ulrich Stange hat mehrfach neue Erkenntnisse über Peter III. ins Feld geführt: Der sei etwa für Religionsfreiheit, Bildungspflicht und die Bauernbefreiung eingetreten. Zudem habe er Russlands Krieg mit Preußen beendet und sei daher ein Friedensstifter.Die Gegner des Denkmals hingegen stützen sich auf das weit verbreitete Bild von Peter III., das aus den Memoiren seiner Ehefrau Katharina der Großen hervorgeht: Nicht nur der Regierungsstil des „Kieler Zaren“ sei chaotisch gewesen – er soll auch ein Kindskopf und Säufer gewesen sein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert