zur Navigation springen

Der Kieler Steuer-Deal : Umfrage: „Gaschke tut mir richtig Leid“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke hat die politische Verantwortung für den Steuer-Erlass übernommen – soll sie im Amt bleiben? Eine Blitz-Umfrage unter Kielern ergab: Viele verfolgen die Entwicklung. Aber sind geteilter Meinung.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Rathaus und Kieler Politik haben erst einmal aufgeatmet. Der Streit um Gaschkes Steuer-Erlass, er scheint vorerst beigelegt zu sein. Auch wenn noch Entscheidungen ausstehen – etwa die der Kommunalaufsicht, die des Generalbundesanwalts sowie das von der FDP beantragte Abwahlverfahren Gaschkes bei der kommenden Ratsversammlung am 31. Oktober – kann jetzt vorerst Ruhe einkehren. Die Chancen für Susanne Gaschke, SPD-Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt zu bleiben, steigen. Doch was sagen die Kielerinnen und Kieler dazu? Wollen sie die ehemalige „Zeit“-Journalistin als Verwaltungschefin behalten? Eine Blitzumfrage unserer Zeitung an der Kiellinie und in der Innenstadt hat gestern gezeigt: Es gibt kaum einen, der die Entwicklung nicht verfolgt, daran nicht Anteil genommen hätte. An ihrer Person und ihrem „Deal“ mit dem Augenarzt Uthoff, dem 3,7 Millionen Euro an Zinsen und Säuniszuschlägen aus einer Steuerschuld erlassen wurden, scheiden sich jedoch die Geister.

Für den pensionierten Kieler Lehrer Hans-Jürgen Lüdke (66), der den Streit von Anfang an verfolgt hat, ist die Eilentscheidung „problematisch“. Auch den vorerst beigelegten Streit unter den Genossen bezeichnet er als „Affentheater“. Dennoch schätzt er Susanne Gaschke für den „mutigen Schritt“, wie Lüdke sagt: „Sie kann meiner Meinung nach im Amt bleiben, andere Leute machen schließlich auch Fehler.“ Ihm ist wichtig, dass die Politiker sich jetzt wieder auf ihre eigentliche Arbeit besinnen.

Positiv äußert sich auch Bernhard Wax – allerdings wenig überraschend. Er ist SPD-Mitglied in Melsdorf bei Kiel: „Für mich reicht es aus, dass Gaschke den Fehler anerkannt hat. Auch der Streit ist aus der Welt. Ich finde, sie kann Oberbürgermeisterin bleiben und ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass sie abgewählt wird“, meint Bernhard Wax.

„Im Grunde tut sie mir richtig Leid“, sagt die Kielerin Doris Rosek (77), die den Eklat um die Oberbürgermeisterin intensiv verfolgt und „so etwas noch nicht erlebt“ hat. „Gaschke wird psychisch gelitten haben. Aber sie hat sich daneben benommen“, findet die Rentnerin und meint die Tatsache, dass Gaschke Ministerpräsident Torsten Albig „da mit reingezogen hat“. Albig war Gaschkes Vorgänger im Rathaus. Rosek glaubt, dass es in der Ratsversammlung kein Vertrauen mehr für Gaschke gibt: „Sie wird es sehr, sehr schwer haben.“ Dennoch ist auch Doris Rosek dafür, dass Susanne Gaschke im Amt bleibt.

„Mir ist das zu viel Theater“, sagt Alfred Knaack (ohne Foto). „Als Kieler kann ich nur den Kopf schütteln. Erst wird beschuldigt, dann wieder entschuldigt. Wie Doris Rosek meint jedoch auch er: „Wenn einer einen Fehler gemacht hat, sollte er ihn eingestehen und nicht den Vorgänger belasten.“ Das Ergebnis der Einigung unter den Genossen habe ihn überrascht. Aus der Welt sei das Thema Steuer-Deal auch erst, wenn alle Prüfungen abgeschlossen seien. Und was sagt er zu Gaschke? „Ich finde, sie ist nicht ganz geeignet. Ich glaube nicht, dass sie sich hält. Ihr fehlt der Rückhalt in der Ratsversammlung.“

Kai Schütz (30) arbeitet bei den Stadtwerken und sagt: „Das Verfahren geht weiter.“ Seinem Gefühl nach hat Susanne Gaschke den Zeitpunkt für einen Rücktritt verpasst. Die Eilentscheidung am Parlament vorbei sieht er „kritisch“. Die interne SPD-Einigung hält er für einen „Burgfrieden.“ Und Schütz fügt hinzu: „Ich glaube nicht, dass die SPD in Kiel so geschlossen ist, wie die Landes-SPD es nun darstellt. Und mein Eindruck ist – die Schlammschlacht ist noch nicht vorbei.“ Gaschkes Zukunft sieht Schütz derweil als schwierig an: „Sie ist politisch stark angegriffen und nicht mehr glaubwürdig.“

Die Glaubwürdigkeit der Oberbürgermeisterin zweifelt auch Thomas Hauff (53) an. Der Kieler ist der Meinung, dass Politiker heutzutage „nach einem Fehlverhalten zu sehr an ihrem Stuhl festkleben“. Klar für ihn: „Gaschke sollte nicht im Amt bleiben.“ Und noch was bleibt für Hauff negativ hängen: „So etwas trägt zur Politikverdrossenheit bei. Schade um die Demokratie.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen