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Kiel

24. Oktober 2017 | 06:25 Uhr

Umbruch in der Schullandschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 12.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Keine Bildungsreform ohne Konflikt: Das Kabinett hat sein neues Schulgesetz auf den Weg gebracht. Die Koalition aus SPD, Grünen und SSW ist zufrieden, sieht im künftigen Schulsystem bessere Bildungschancen für junge Menschen. Die Oppositionsparteien CDU und FDP hingegen werfen Bildungsministerin Waltraud Wende „ideologischen Bildungsirrsinn“ und „missionarischen Eifer“ zulasten der Kinder vor.

Klar ist: Die Schullandschaft im Norden steht erneut vor einem Umbruch. Nach der Grundschule wird es ab dem Schuljahr 2014/15 nur noch das Gymnasium oder die Gemeinschaftsschule als weiterführende Schulen geben. Regionalschulen sollen bis dahin umgewandelt sein, wenn sie denn die dazu nötige Mindesschülerzahl von 240 erreichen. Sechs Regionalschulen stehen damit vor dem Aus; sie unterschreiten schon jetzt die Mindestgröße. Im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung sind dies die Pestalozzischule in Neumünster, die Grund- und Regionalschule Owschlag. Vier weiteren Regionalschulen, darunter die Friedrich-Hebbel-Schule in Wesselburen, könnte bei sinkenden Schülerzahlen dasselbe Schicksal ereilen. Sonderregelungen wird es für Schulen auf Amrum, Pellworm und Nordstrand geben.

„Jedes Kind soll unabhängig vom Unterstützungspotenzial seiner Herkunftsfamilie die Chance auf einen bestmöglichen Schulabschluss haben“, sagte Wende gestern. Ziel seien mehr Bildungsgerechtigkeit und eine Erhöhung der Abiturientenquote von 45 auf über 50 Prozent.


Trennung in der siebten Klasse


Durchgängiges Unterrichtsprinzip in der Gemeinschaftsschule wird das längere gemeinsame Lernen. Abschlussbezogene Klassenverbände wird es dann nicht mehr geben. Erst in der Klassenstufe sieben soll in einzelnen Fächern die Trennung von Schülern nach Leistungsfähigkeit und Neigung möglich sein.

Gymnasien, die 2014/2015 bereits einen neunjährigen Bildungsgang haben, können ebenso fortgeführt werden wie die „Y-Gymnasien“ mit parallelem G8- und G9-Angebot. An allen anderen Gymnasien ist nur das Abitur nach acht Jahren möglich.

An Gemeinschaftsschulen sind drei Abschlüsse möglich: die Berufsbildungsreife (statt: Hauptschulabschluss) nach neun Jahren, Mittlerer Abschluss (statt: Realschulabschluss) nach zehn Jahren und Abitur nach 13 Jahren (G9).

Die Ministerin verteidigte ihre Entscheidung, die Begriffe „Bildung“ und „Erziehung“ als Auftrag der Schule durch die Formulierung „pädagogische Ziele“ zu ersetzen. Dies war bei Verbänden wie Gewerkschaften auf Kritik gestoßen. Die bisherigen Begriffe seien in der Alltagssprache wie in der Wissenschaft mehrdeutig besetzt.

Kopfschütteln gab es dafür sogar von der Lehrergewerkschaft GEW. Die stellte sich zwar hinter die Pläne, das längere gemeinsame Lernen zu stärken. Erfolgreich werde eine solche Politik aber nur sein, wenn die Landesregierung „auf jegliche Stellenstreichung im Bildungsbereich verzichtet“, sagte GEW-Landeschef Matthias Heidn. Wende selbst habe einen zusätzlichen Lehrerbedarf von 1600 Stellen eingeräumt. Die ambitionierten Pläne für die gemeinsamen Unterrichtung behinderter und nicht behinderter Kinder (Inklusion) erforderten weitere 1000 Stellen.

Die CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen meinte, Wende habe „keine Ahnung, wie sie die drängenden Probleme an unseren Schulen lösen will“. Schüler an Gemeinschaftsschulen, die bis zur zehnten Klasse in gemischten Lerngruppen unterrichtet werden, könnten Lernrückstände in der Oberstufe nicht mehr aufholen. Die FDP-Abgeordnete Anita Klahn sagte, die Regierung orientiere sich mit ihrem Gesetzentwurf an den Bildungsverlierern unter den Bundesländern, wie Berlin, Brandenburg und Bremen.

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