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Bilanz der Traditionsveranstaltung : Ulf Kämpfer: „Eine Welt ohne Kieler Woche ist möglich, aber sinnlos“

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Stadt und Polizei ziehen Bilanz: Weniger Besucher wegen des Wetters und ein gut funktionierendes Sicherheitskonzept.

Zehn Tage voller Sommerlaune und sportlicher Segelwettbewerbe ohne bedrohliche Szenarien wie Terror oder massenhafte Antanz-Delikte wie in Köln ließen Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Polizei, Kieler Yacht Club und Marine eine positive Bilanz ziehen. Mit „mehr als drei Millionen Besuchern“ zeigte Kämpfer sich zufrieden: „Eine sehr schöne, runde  Kieler Woche.“ Er freue sich bereits auf kommendes Jahr, so Kämpfer, der  witzelte: „Eine Welt ohne Kieler Woche ist möglich, aber sinnlos“.

Deutlich politisch eingefärbte Gespräche angesichts von „Brexit“ und  erneut ausgeschlossener russischer Marine habe er erlebt, so Kämpfer, der auch von „Wetterextremen“ sprach und damit heiße Tage mit bis zu 34 Grad Celsius ansprach, aber ebenso Gewitter und Starkregen, der ja in der Nacht zum Sonntag in Bad Segeberg die Premiere der Karl-May-Festspiele verhagelte. Ganz so schlimm wurde es rund um Kiellinie und Krusenkoppel nicht.

Gibt es etwas zu verbessern? Vier bis fünf „kleine Ideen“ für 2017 habe er für sich vermerkt, die wolle er  aber nicht öffentlich nennen, so Kiels OB. Einen Wunsch äußerte er aber: „Die Gorch Fock muss wieder kommen.“ Sie konnte reparaturbedingt nicht die Windjammerparade anführen.

Rappelvoll war es auch in Schilksee oft, wenn die Regatten anstanden. Carsten Krage vom Kieler Yacht Club geriet geradezu ins Schwärmen: „Wir sind wirklich absolut rundum zufrieden mit der Kieler Woche.“

Auch Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz gab sich entspannt: „Unsere Sicherheitskonzepte haben gegriffen.“ Man gehe nach vorläufigem Stand von einem friedlichen Volksfest aus. Besonders hatte die Polizei sich auf mögliche Bedrohungslagen durch Terror und sexuelle Gewalt wie an Silvester in Köln und Hamburg vorbereitet, – „doch all das haben wir nicht gebraucht“, so Bauchrowitz. Im Vorfeld hatten Beamte  sogar präventiv Flüchtlings-Einrichtungen besucht, um dort zu vermitteln, „dass Kiel in diesen zehn Tagen anders ist – auch, wie man sich am Strand verhält. Da prallen Kulturen und Welten aufeinander“, sagte der Leitende Kriminaldirektor: „Wir glauben, dass das etwas bewirkt hat.“

Nichtsdestotrotz hatten die Beamten – zur Kieler Woche etwa 40 Prozent mehr Personal als sonst, täglich waren etwa 90 Kräfte aus Eutin dabei, viel zu tun. Drei von ihnen wurden bei Einsätzen verletzt, einer war kurz dienstunfähig. Bis Sonntagmittag rückten die Kräfte seit dem ersten Kieler-Woche-Freitag zu insgesamt 2313 Einsätzen in Kiel aus, wovon 414 (371 im Jahr zuvor) einen direkten Bezug zur Kieler Woche hatten. Sie verzeichneten 91 Anzeigen wegen Rohheitsdelikten – 2015 waren es noch 68 – sowie rund 100 Platzverweise und mehrere Widerstandshandlungen. Einsatzschwerpunkte waren der Hauptbahnhof, die Bergstraße, das Hörn-Gelände sowie die südliche Kiellinie, aber auch das Bayernzelt, in dem viele ausländische Marineangehörige alkoholisiert feierten. Weniger betrunkene Jugendliche (67) als sonst (390 im Vorjahr) seien angesprochen worden, darunter zwei allerdings so stark, dass deren Eltern gerufen wurden. Es habe insgesamt keine schwerwiegenden Straftaten gegeben, darunter „nur wenige Sexualdelikte“, sagte Bauchrowitz. Drei Fälle seien angezeigt worden. Frauen hätten angegeben, begrapscht worden zu sein, an Po und Brust, hieß es. Beim Frauennotruf haben sich indes zwei Frauen gemeldet, weil sie während der Kieler Woche vergewaltigt worden seien. Möglicherweise sind diese Taten noch nicht angezeigt worden.

Bedauerlich fand Fregattenkapitän a.D. Achim Winkler bei aller Zufriedenheit aus Sicht der Marine, dass sich einige ausländische Marinesoldaten daneben benommen hatten: „Da geht es mitunter schon mal ein bisschen robuster zu. Das ist so“, sagte Winkler. Unterdessen verzeichnete die Marine aber auch kuriose Momente, die schmunzeln lassen: So haben Feldjäger einen estnischen Marinesoldaten, „nur mit einer Mülltüte bekleidet aufgegriffen“. Der Mann hatte eine Wette verloren.

Schnelle Fakten zur Kieler Woche 2016

  • Drei Millionen Besucher
  • Teilnehmer aus 70 Nationen
  • 13 Delegationen aus Kiels Partnerstädten und befreundeten Städten
  • 4000 Segler bei den Wettbewerben aus 50 Nationen
  • 1800 Boote, mehr als 400 Starts, 40 Disziplinen und zehn Regattabahnen
  • 100 Traditionssegler, Motor- und Dampfschiffe bei der Windjammerparade
  • 80.000 Zuschauer bei der Windjammerparade
  • Knapp 16.000 Besucher beim Open Ship der Marine
  • 43 Marineeinheiten aus zwölf Nationen
  • Mehr als 2000 Veranstaltungen auf 13 Bühnen
  • 35 Nationen auf dem Internationalen Markt
  • 65.000 Besucher beim Balloon Sail, 40.000 Besucher bei den Night Glows
  • 3300 verkaufte Liter „Kieler Woche Bier“
  • 865 Versorgungen und 166 Transporte von Feuerwehr und Rettungsdienst
  • Öffentlicher Nahverkehr: KVG fuhr rund 26.500 zusätzliche Kilometer
  • Abfallwirtschaft: Die ABK war mit 150 Mitarbeitern und 70 Fahrzeugen im Einsatz
  • Das Müllsammelschiff Schiermoker sammlelte rund 1,5 Kubikmeter Müll aus der Förde
  • Der Kieler-Woche-Livestream wurde rund 480.000 Mal aufgerufen.
  • Die Kieler-Woche-App wurde rund 25.000 Mal heruntergeladen
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erstellt am 26.Jun.2016 | 13:57 Uhr

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