Multiresistenter Keim : UKSH geht in der „Keim-Krise“ in die Offensive

Ein gegen Antibiotika resistenter Keim hat sich im Universitätskrankenhaus in Kiel ausgebreitet.
Ein gegen Antibiotika resistenter Keim hat sich im Universitätskrankenhaus in Kiel ausgebreitet.

Ehrliche Antworten: Bei einer Infoveranstaltung stellte sich eine Professoren-Schar verunsicherten Patienten.

shz.de von
29. Januar 2015, 20:03 Uhr

Kiel | Nach dem Tod mehrerer Patienten, bei denen ein gefährlicher Keim festgestellt worden war, wirbt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) um Vertrauen. UKSH-Vorstandschef Jens Scholz sprach zu Beginn einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend von einem „schicksalhaften Verlauf seit Dezember“. Das Interesse an der Veranstaltung hielt sich aber in Grenzen. Nur ein kleiner Teil der 333 Plätze im Großen Hörsaal der Chirurgie war besetzt.

Hygienechefin Bärbel Christiansen informierte dabei über das Bakterium Acinetobacter baumannii und die vor Ort ergriffenen Schutzmaßnahmen. Neben ihr und Scholz stellten sich sieben Professoren den Fragen. Bei zwölf gestorbenen Patienten wurde der Erreger nachgewiesen. Der Keim könnte bei drei von ihnen die Todesursache gewesen sein. Bei neun wurde das ausgeschlossen. Festgestellt wurde der Erreger bei insgesamt 31 Patienten.

Trotz Schnee hatte sich auch die Kielerin Karola Stark auf den Weg in die Uniklinik gemacht. Bei ihrem 80 Jahre alten Mann wurde der Keim im UKSH nachgewiesen. Er ist allerdings nur Träger des Keims. „Heute ging es ihm sehr gut, am Montag wird er entlassen“, sagte sie am Rande der Veranstaltung. Auf die Frage, ob sie sich von der Uniklinik gut informiert fühlt, sagte sie knapp: „Jetzt ja.“ Seit dem 20. Dezember liegt der Mann in der Klinik. Zweimal wurde er seitdem operiert. Mit seiner bevorstehenden Entlassung hören die Probleme aber nicht auf. Bislang sucht die Familie vergeblich nach einem Rehaplatz für den 80-Jährigen. „Es nimmt ihn keiner“, sagte seine Frau. Grund ist der positive Test auf den Erreger.

Auch der Mann von Gabriele Frick aus Stein (Kreis Plön) zählt zu den 31 Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde. Dem 81-Jährigen gehe es schlecht, er sei sehr krank. „Ich weiß aber nicht, ob es an dem Keim liegt“, sagte sie. Von der Veranstaltung erhoffte sie sich Antworten. „Ich will wissen, wie das ist.“

Am Mittwoch war am Uniklinikum erstmals seit Tagen wieder Durchatmen angesagt. Die Zahl der Patienten, die von dem gegen fast alle Antibiotika resistenten Keim betroffen sind, hatte sich nicht weiter erhöht.

Im Hörsaal saß am Donnerstagabend auch die 63-jährige Rita Ehlers. Sie war 35 Jahre lang Krankenschwester am UKSH. „Ich bin eher kritisch, ich hinterfrage die Abläufe durchaus“, sagte sie. Näher wollte sie darauf nicht eingehen. Dass die „Keim-Krise“ für das Klinikum ohne Folgen bleiben wird, glaubt sie nicht. „Das wird schon einige Zeit nachhallen. Die Patienten werden mit den Füßen abstimmen.“

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) sprach am Donnerstag mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) über mögliche Verbesserungen der Meldeverfahren. „Der effektive Gesundheitsschutz muss im Vordergrund stehen“, sagte sie. Wenn weitere gesetzliche Änderungen notwendig seien, „müssen wir diese anpacken“. Dazu gehöre auch die Frage, wie ein erweitertes Screening-Verfahren finanziert werden kann.

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