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Luftsportverein Kiel lädt Behinderte und Nichtbehinderte beim Mitflugtag zum sechsten Mal zu Rundflügen über Kiel ein

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | Die Motoren der kleinen Cessna dröhnen so laut, dass die Gespräche verstummen. Dann rollt die Maschine auf die Flugbahn, beschleunigt und hebt ab. Rund 110 Flugbegeisterte stiegen am Sonnabend beim Mitflugtag des Luftsportvereins Kiel (LSV) in eine der drei Vereinsflugzeuge vom Typ Cessna 172 und drehten vom Flughafen Kiel-Holtenau aus eine Runde über die Landeshauptstadt. In rund 500 Metern Höhe ging es von Holtenau erst rüber zum Ostufer, dann Richtung Innenstadt und am Westufer entlang zurück zum Flughafen.

Unter den Wartenden, die die Abflug szenerie beobachteten, war auch Melanie Gerzmehle. Zwar musste sie über eine Stunde warten, wollte aber die Gelegenheit zum Mitfliegen unbedingt nutzen. Die 36-Jährige aus Schwartbuck an der Ostsee sitzt im Rollstuhl, will sich davon aber nicht bremsen lassen: "Ich möchte einfach mobil sein - zu Wasser, zu Land und auch in der Luft. Sicherlich hat dieser Wunsch auch was mit meinem Handicap zu tun." Doch nur mitzufliegen, das reicht der aktiven Dokumentarin - sie arbeitet an Leukämie-Studien mit - nicht aus. Sie will auch den Pilotenschein machen. In Süddeutschland gibt es bereits eine Fliegergruppe, deren Piloten allesamt im Rollstuhl sitzen. Ihre Flugzeuge wurden dafür auf reine Handsteuerung umgerüstet. Ob sich das auch in Kiel machen lässt, und wie hoch die Kosten wären, möchte Melanie Gerzmehle herausfinden. Ute Hölscher, die Organisatorin des Flugtags, vermittelte ihr kurzerhand schon mal den Kontakt nach Süddeutschland.

Ute Hölscher ist Sonderpädagogin und arbeitet mit blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen zusammen. "Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, auch einmal mitzufliegen", erzählt sie von den Anfängen des Mit flugtags. Nach den ersten guten Erfahrungen ("Die Kinder fanden es total toll.") laden die Hobbyflieger inzwischen ausdrücklich alle Behinderten und Nichtbehinderte einmal im Jahr zum Mitfliegen ein. Am Wochenende war es mittlerweile die sechste Auflage der Veranstaltung. "Den Verein bloß vorzustellen, ist mir zu wenig. Es ist mir ein Anliegen auch Behinderte mit einzubinden", erklärte Hölscher. Der zehn bis 15 Minuten lange Rundflug kostete pro Person 20 Euro, laut Hölscher ein Selbstkostenpreis.

Viele Mitflieger kamen mit ihren Familien. Torben Kirchberg (15) war vor dem Start ein wenig nervös. Für den Jugendlichen aus Kiel-Friedrichsort war es der Jungfernflug. Gemeinsam mit seinem Vater Ino Kirchberg (52) und einem weiteren Fluggast, Franziska Wilhelm (28), kletterte er in die Cessna. "Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt", stellte er nach der Landung nüchtern fest. "Beim Starten war mir ein bisschen mulmig, aber danach war es ganz entspannt." Auch für Franziska Wilhelm war es der erste Flug in einer so kleinen Maschine. "Ich habe keine Angst gehabt", sagte sie nach der Landung selbstbewusst. "Naja, ein bisschen schon", gestand sie dann aber doch.

Angst vorm Fliegen hat der junge, aber schon flugerfahrene Birger Seiler (9) aus Kiel-Hassee nicht. Er ist schon einige Male mitgeflogen - unter anderem in einem Hubschrauber, wie er stolz berichtet. In der viersitzigen Cessna durfte er sogar vorne sitzen, direkt neben dem Piloten. "Die Autos sahen von oben wie Spielzeuge", berichtete er.

Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Mitflugtag geben. Wer nicht solange warten will, der kann auch als Gast gegen eine Beteiligung an den Flugkosten - eine Stunde kostet rund 150 Euro - für eine Schnupperstunde mitfliegen.

Weitere Informationen und Kontaktdaten gibt es im Internet unter www.lsv-kiel.de.

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