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Sommertheater - Open Air : Turandot zieht 15 000 Zuschauer an

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die weltweit größte Live-Übertragung einer Opernaufführung sahen am Sonnabend Menschen an sechs Orten in Kiel, Friedrichsort und Preetz .

shz.de von
erstellt am 16.Jul.2017 | 12:48 Uhr

„Nessun dorma“ – „Niemand schlafe“, das war am Wochenende wohl auch das Motto für mehr als 15  000 Opernfreunde und -novizen, die bis in die Nacht hinein auf Bänken, Angelhockern, Decken und sogar stehend die zweieinhalbstündige Live-Schaltung der Sommeroper „Turandot“ auf dem Rathausplatz verfolgten. Es war die weltweit größte Live-Übertragung einer Opernaufführung, erklärte Kiels Kulturdezernent Wolfgang Röttgers. Denn an insgesamt sechs verschiedenen Standorten wohnten Kieler und Nicht-Kieler der Premierenvorstellung von Giacomo Puccinis Oper – benannt nach der Männer mordenden Prinzessin Turandot – bei.

Vor der Leinwand auf dem Vinetaplatz im Stadtteil Gaarden versammelten sich 2500, in Mettenhof 1500 Zuschauer und -hörer. Publikumsspitzenreiter waren der Bootshafen und der Blücherplatz mit 3000 und 5000 Menschen. Mit Preetz und Friedrichsort waren in diesem, dem fünften, Jahr der Opern-Übertragung noch zwei weitere Orte dazugekommen. Beide verzeichneten am Sonnabend jeweils 1500 Zuschauer.

Das Skagerrakufer in Friedrichsort erwies sich zwar als der kleinste, aber sicher einer der gemütlichsten und romantischsten Übertragungsorte dieses Abends. Etwa 1500 Besucher genossen Puccinis „Turandot“ an weiß gedeckten, mit Hortensien geschmückten Biertischgarnituren unter alten Bäumen und mit Blick auf die Förde.

Da die 600 Plätze an den Tischen nicht ausreichten, hatten viele Gäste in weiser Voraussicht eigene Sitzgelegenheiten mitgebracht. So wie Kirstin und Björn Harders, die es sich zusammen mit Kerstin und Ulf Sonnenrein auf Campingstühlen gemütlich gemacht hatten. Am weißgedeckten Campingtisch mit Kerzen und Leckereien freuten sich die vier Friedrichsorter auf einen Opernabend – wenn sie auch sonst eher für Schauspiel und Musical schwärmen.

Initiiert hatte die Friedrichsorter Übertragung der Kulturladen Leuchtturm. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Kiels Kulturreferenten Rainer Pasternak, selbst Friedrichsorter, gelang es, eine einmalige Finanzierung durch das Kulturamt zu ermöglichen. Um die Übertragung im kommenden Jahr zu sichern, ist der Verein Kulturladen Leuchtturm nun auf der Suche nach Sponsoren. Und auch alle Spenden und Einnahmen dieses Jahres fließen nicht in den laufenden Betrieb, sondern werden für eine Wiederholung im nächsten Jahr gesondert angelegt, sagte Evi Ahr.

Auf dem gut gefüllten Blücherplatz drängte sich mit den ersten Tönen des Orchesters Stuhlreihe an Stuhlreihe. Doch spätestens mit der Pause trennten sich hier die wahren Opernliebhaber von all jenen, die weniger leidenschaftliche Gefühle für Arien und Chöre hegten. Zwar sorgten Getränkewagen, Wurst- und Waffelstände für kulinarische Befriedigung. Doch mit der Asphaltdecke des Parkplatzes als Sitzunterlage und den nächtlichen Temperaturen wurde die Neugier der Opern-Laien auf eine harte Probe gestellt.

Die Sommertheater-„Profis“ hingegen waren mit Picknickkorb und heißen Getränken, Decken, Jacken, Kissen und Stühlen bestens gewappnet, um nicht nur die wohl bekannteste Arie der Oper, „Nessun dorma“, sondern auch das in einer glücklichen Liebe gipfelnde Finale mitzuerleben. Für sie hat sich das Wachbleiben also allemal gelohnt.


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