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Sommeroper 2017 : „Turandot“ strahlt bis nach Preetz

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pünktlich um 20 Uhr beginnt am kommenden Sonnabend, 15. Juli, die Premiere der Sommeroper „Turandot“. Zeitgleich startet an sechs Orten die Übertragung auf großen Leinwänden. Beim Public Viewing sind erstmals auch Friedrichsort und Preetz dabei.

Die Sommeroper mit ihrer Direktübertragung in mehrere Stadtteile geht in die sechste Saison. Was im Jahre 2012 mehr als Notbehelf begann, hat sich heute zu einer publikumsträchtigen und werbewirksamen Angelegenheit gemausert. Wenn auf dem Rathausmarkt in einer Woche die Pucccini-Oper „Turandot“ Premiere feiert (Sonnabend, 15. Juli), können zeitgleich Tausende von Zuschauern in den Außenbezirken das Kulturspektakel kostenlos genießen. Erstmals ist mit dem Marktplatz in Preetz sogar ein Standort außerhalb der Landeshauptstadt dabei.

Die Proben haben längst begonnen, das Bühnenbild vor dem Opernhaus steht. Vom roten Gerüst hängen schon die Köpfe all jener Bewerber, die sich um die Hand der chinesischen Prinzessin Turandot bemühten. Denn der Heiratsantrag ist lebensgefährlich: Wer die drei gestellten Rätsel nicht löst, stirbt unweigerlich unter dem Schwert.

Mit „Tosca“ schlug 2012 die Geburtsstunde der Sommeroper. Für den gleichen Abend hatte sich aber am benachbarten Bootshafen eine laute Punkrock-Gruppe angekündigt. Die Organisatoren befürchteten, dass dumpfe wabernde Bässe die Freilichtaufführung auf dem Rathausplatz stören könnten. Folglich mussten die Punkrocker ihren Auftritt um einen Tag verschieben, dafür wurde „Tosca“ auf der großen Leinwand übertragen. Der Erfolg gab den Improvisateuren Recht. Dem „Public Viewing“ am Bootshafen folgten in den nächsten Jahren weitere Standorte: der Vinetaplatz in Gaarden, der Blücherplatz und der Heidenberger Teich in Mettenhof.

In diesem Sommer kommen zwei neue Open-Air-Kinos hinzu. An Kiels einzigem Südstrand, dem lauschigen Skagerrakufer in Friedrichsort, können Opernfreunde „Turandot“ ebenso zujubeln wie auf dem Marktplatz in Preetz. Damit gelingt der Kieler Sommeroper der angestrebte Sprung über die Stadtgrenzen hinaus. Dem Vernehmen nach hatte es schon in den Vorjahren Gespräche mit Nachbarorten gegeben, sie blieben aber erfolglos. Immerhin müssen nach den Worten von Kiels Kulturreferent Rainer Pasternak vor Ort für Technik und Logistik – von Leinwand und Lautsprecher über Tische und Bänke bis zum Toilettenwagen – schätzungsweise 15  000 bis 20  000 Euro aufgebracht werden. Ohne Hilfe von Sponsoren und ohne den Einsatz ungezählter freiwilliger Helfer ist das Projekt nicht umsetzbar.

Initiativen wie der Kulturladen Leuchtturm in Friedrichsort, die Interessengemeinschaft Blücher oder der Verein Schusterstadt Preetz übernehmen die Federführung. Sie stellen auch ein Rahmenprogramm auf die Beine. So präsentiert das Metro-Kino auf dem Blücherplatz ab 16 Uhr stündlich einen neuen Kurzfilm. In Friedrichsort zeigt das Küstenkino um 17 Uhr den Abenteuerfilm „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“, in Preetz läuft um 18 Uhr die Bestseller-Verfilmung „Dorfpunks“. Pünktlich um 20 Uhr beginnt dann überall die Übertragung von „Turandot“. An allen sechs Standorten gilt: Rechtzeitiges Kommen sichert gute Plätze.
 
Kommentar:

Beifall für Arien in Gaarden

Na klar: Es funktioniert. Das Public Viewing, das man zumeist von eher profanen Veranstaltungen wie Fußball-Länderspielen kennt, findet auch mit der anspruchsvollen Sommeroper seine treuen Anhänger. Zumindest in Kiel. Prinzessin Turandot und all ihre Vorgänger auf der Freilichtbühne haben für die Landeshauptstadt die Werbetrommel gerührt. Mit der Sommeroper und den Übertragungen in die höchst unterschiedlichen Stadtteile hat Kiel ein Alleinstellungsmerkmal, das von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt. Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, kommt das Theater eben zu den Menschen. Arien schmettern mitten in Gaarden – wer hätte das gedacht? Anders ausgedrückt: Die Sommeroper ist heute ein gewichtiges Element städtischer Kulturpolitik.

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erstellt am 07.Jul.2017 | 18:38 Uhr

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