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Integration : Türkische Gemeinde in SH: „Mehr Migranten in die Feuerwehr!“

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Dass sich ein Einwanderer in der Feuerwehr engagiert, ist bislang eher ein Einzelfall. Das will die türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein nun ändern. Ihr Vorsitzender Küçükkaraca will mehr Migranten in Uniform sehen.

Kiel | Die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein will sich stärker in wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie den Katastrophenschutz oder das Feuerwehrwesen einbringen. „Wir sind auch auf eine funktionierende Feuerwehr angewiesen, deshalb müssen wir uns auch aktiv daran beteiligen“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Cebel Küçükkaraca, der Deutschen Presse-Agentur. Vielen Einwanderern sei das deutsche System schlicht unbekannt, weil in ihren Heimatländern solche Strukturen nicht existieren. „Die kennen die Feuerwehrfamilie überhaupt nicht“, sagte Küçükkaraca.

Deshalb will seine Organisation junge Migranten ermuntern, sich mit der in erster Linie auf Freiwilligkeit und bürgerschaftlichem Engagement beruhenden Gefahrenabwehr durch Feuerwehren zu befassen. „Wir müssen unsere Energie dafür nutzen, gesellschaftliche Probleme zu lösen und ein liebenswertes Deutschland schaffen - dabei darf die Herkunft des Einzelnen überhaupt keine Rolle spielen.“ Ein erstes Treffen des Mathematikers mit dem Landesfeuerwehrverband hat es bereits gegeben. In verschiedenen Regionen des Landes soll es in den kommenden Monaten Gespräche zwischen beiden Organisationen geben. Es geht ihm darum, vorhandene Barrieren ab- und Vertrauen aufzubauen. „Für uns ist das auch eine Herzensangelegenheit“, sagte der Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes Holger Bauer. Zwar gebe es hier und dort bereits Migranten in den Wehren. „Das sind aber bislang nur Einzelfälle.“ Auf Seite der Einwanderer gebe es teilweise Vorbehalte.

Küçükkaraca betonte, es dürfe nicht der gesellschaftliche Eindruck vorherrschen, dass Einwanderer sich bei den „schwierigen Aufgaben“ nicht ehrenamtlich engagieren. Bislang stamme aber nur schätzungsweise jeder 100. Helfer im Bereich Feuerwehr und Katastrophenschutz aus einer Einwandererfamilie. „Da müssen wir mehr Vertrauen aufbauen, denn die ist für diese Jobs wichtig.“

„Als türkische Gemeinde fordern wir ja seit Jahren, dass in allen gesellschaftliche und öffentlichen Einrichtungen das Spiegelbild der Gesellschaft abgebildet wird“, sagte Küçükkaraca. „Warum denn nicht auch bei den Feuerwehren oder der Polizei?“ Aber auch in anderen Berufen sind Einwanderer unterrepräsentiert. „Der Großteil der Jugendlichen konzentriert sich auf sieben bis zehn Berufe - mehr nicht“, sagte Küçükkaraca. Grund seien oftmals die konservativen Familienstrukturen. Auf der anderen Seite gebe es teilweise aber auch eine Adressen- und Namensdiskriminierung durch einige Betriebe.

In der Vielfalt liege aber die Kraft, sagte Küçükkaraca, der auch stellvertretender Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland ist. „Diese Erfahrungen, die wir derzeit im Norden im Rahmen der entstehenden Kooperation mit den Feuerwehren machen, können wir später vielleicht auf andere Bundesländer übertragen.“ Mit der Integration der türkischstämmigen Bevölkerung im Norden ist er aber zufrieden. „Es ist zwar nicht alles ideal, aber insgesamt ist die Situation besser als anderswo“, sagte Küçükkaraca. „Ich bin stolz darauf, dass die Schleswig-Holsteiner toleranter sind.“

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erstellt am 08.Feb.2015 | 09:46 Uhr

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