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Trauriges Ende eines Altstadt-Hauses

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Abriss des Gebäudes in der Falckstraße 16 beginnt kommende Woche / Derzeit wird es entkernt / Polizei trainierte in leeren Wohnungen für Einsätze

Die klassizistische Fassade steht noch. Teilweise ist sie eingerüstet, aber auch das ist Anfang kommender Woche vorbei. Ab Montag wird die Falckstraße teilweise halb gesperrt. Dienstag kommt ein Spezialbagger, der das betagte Eck-Haus, prominent am Kleinen Kiel gelegen, abreißen wird. Stück für Stück nehmen derzeit zwei Mitarbeiter eines Neumünsteraner Abriss-Unternehmens das Gebäude von innen auseinander. Sie entkernen es, bereiten es mit Stützbalken im Keller auf den Abbruch vor. Und sie löschen die letzten Spuren der früheren Bewohner: Ein verblasstes Vogel-Mobilee an der Decke, ein abgerissener Duschvorhang auf halber Treppe. Dinge, die den Mietern nichts mehr bedeutet haben. „Türrahmen, Regale, Möbel – alles muss raus“, sagt Henning Thomsen. Für ihn ist es ein Job wie jeder andere.

Für das baufällige Haus in Sichtweite der Nikolaikirche ist es ein trauriges Ende. Das bekannte Werkstatt-Café, das jahrzehntelang im Erdgeschoss war, ist schon lange ausgezogen. Die verbliebenen Reste werden bald ausgeräumt sein. Die 1. Einsatzhundertschaft der Polizei aus Eutin hat in den darüber liegenden leer stehenden Wohnungen trainiert, wie man einrückt. Türen wurden dabei aufgebrochen oder mit der Tür-Ramme eingeschlagen. Glassplitter liegen auf dem Boden, Holzbohlen wurden herausgerissen, Löcher in Wände gehauen. Ob das die Polizei war oder ein Gutachter, ist schwer zu sagen.

Das Haus hat viele Jahre auf dem Buckel. Es stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Dessen Standfestigkeit ist Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) zufolge aufgrund „schwerster statischer Mängel“ nicht mehr gesichert. Vor einer Woche hatte die Stadt Kiel den Abriss, der seit einigen Monaten geplant worden war, angekündigt. Am Donnerstag vergangener Woche sei die Genehmigung erteilt worden. Zuvor seien Vereinbarungen zwischen der Hauseigentümerin Rohwer Immobiliengesellschaft und der Stadt sowie der Projektgesellschaft „Alte Feuerwache“ unterzeichnet worden, hieß es. Aus Sicht der Stadt ist der Abriss zwar schade, aber „ein gutes Zeichen für die Kieler Altstadt“, wie Todeskino mitteilte. Damit werde der Weg für den geplanten Neubau freigemacht. Außerdem würde so die Bebauung für das angrenzende Wohnprojekt „Alte Feuerwache“ (wir berichteten) nicht mehr gestört. Todeskino wies darauf hin, dass die Stadt das ins Denkmalbuch eingetragene Gebäude eigentlich erhalten wollte. Dementsprechend waren die ursprünglichen Verträge mit Investor Rohwer formuliert worden. Doch Gutachten bestätigten im Herbst, dass eine Sanierung des Hauses „nicht mehr wirtschaftlich ist“.

Henning Thomsen und sein Kollege Tobias Rohde können das unterstreichen. Den Zustand der Substanz beschreibt Thomsen knapp: „Erschreckend“. Er weist auf lange Risse in einer Wand im Eingangsflur und auf dem Dachboden hin. Elektrische Leitungen, Anschlüsse – alles hätte erneuert werden müssen.

Der Neubau nun soll als Stadthaus die „Struktur und Feingliedrigkeit der Fassade des alten Gebäudes aufnehmen und weiterentwickeln“, sagte Todeskino. Vorgegeben sei eine gastronomische oder öffentlich-gewerbliche Nutzung in der Erdgeschosszone. Wie genau der Neubau aussehen wird, das soll in einem Architektenwettbewerb entscheiden werden. Dafür werden die Rohwer Immobiliengesellschaft und die Stadt gemeinsam acht Architekturbüros (vier aus Kiel) auswählen. Der Wettbewerb soll bis zum Sommer entschieden sein.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 06:27 Uhr

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