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Kieler Aquarium : Trauer um Seehund-Männchen Jimmy

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Er war der älteste Bewohner des Kieler Aquariums und „Boss des Beckens“: Mit 37 Jahren ist das Tier jetzt gestorben. Ursache ist wohl ein Tumor.

Kiel | Er war noch richtig fit, fast bis zum Schluss. Und das will schon was heißen für einen 37 Jahre alten Seehund. Die männlichen Tiere werden in freier Wildbahn etwa 25 Jahre alt. Nun ist Jimmy, ältester Bewohner und „Chef“ im Außenbecken des Kieler Aquariums, am Donnerstag gestorben. Die traurige Nachricht teilte Geomar gestern mit. „Todesursache war vermutlich ein Tumor der Speiseröhre“, sagt Pressesprecher Jan Steffen.

Jimmys Seehund-Gruppe war für viele Besucher ein vertrauter Anblick. Kieler und Kiel-Freunde kennen die munteren Gesellen von der Kiellinie – Luna, Sally sowie Kielius und Krümel gehören nun noch dazu – aus dem Außenbecken des Geomar-Aquariums. Beim Spaziergang an der Förde ist besonders für Kinder die Fütterung der Tiere ein echter Hingucker.

Jimmys Eigenart ist es zu verdanken, dass aus der Fütterung mit der Zeit eine kleine Show wurde. „Wenn er Hunger hatte, klopfte er so lange mit einer Flosse auf die Liegeflächen oder die Beckenumrandung, bis er seinen Fisch erhielt“, erinnert sich Michael Gruber, Leiter des Aquariums. Das brachte die Pfleger auf die Idee, dass man den Seehunden Kunststücke beibringen könnte. Mit den anderen Tieren klappte das auch. Nur bei Jimmy nicht. „Für die Zuschauer wirkte der Trick mit der Flosse wie dressiert. Tatsächlich hat er sich das selbst beigebracht“, erklärt Gruber.

Seehund Jimmy, geboren im August 1977 auf Helgoland, kam schon ein Jahr nach seiner Geburt an die Kieler Förde ins Aquarium des damaligen Instituts für Meereskunde (IfM). Damit gehörte er zu den ersten Seehunden, die überhaupt das Becken bevölkerten. Im Laufe der Jahre sorgte er mehrfach für Nachwuchs – Kielius und Krümel gehören dazu. Mit Luna und Sally war er nicht verwandt. Doch viele Jahre lang dominierte Jimmy die Gruppe.

Seit zwei Wochen allerdings zeigte das Männchen nach Angaben des Aquariums immer schwerere Krankheitssymptome. „Er hat weniger gefressen, der Hals war eitrig, und er nahm ab, bis er gar nichts mehr gefressen hat“, so Sprecher Jan Steffen. Jimmy sei bei einem Tiermediziner in Neumünster behandelt worden. „Es wurde schon überlegt, ihn einschläfern zu lassen“, erklärt Steffen. Am Ende sei Jimmy im „Nachtstall“, wo er betreut wurde, seiner Krankheit erlegen.

Die genaue Todesursache soll nun eine Obduktion klären. „Wir müssen sichergehen, dass die Gesundheit der anderen Seehunde nicht gefährdet ist“, sagt Michael Gruber. Die Mitarbeiter vermuten aber, dass Jimmys Krankheit schlicht eine Folge seines hohen Alters war. Einzelne Alterserscheinungen hatte das Tier schon seit einiger Zeit gezeigt. Jimmy war auf einem Auge blind, weil er an grauem Star litt. So konnte man ihn auch von den anderen unterscheiden. „Die Erblindung hat ihn aber nie behindert. Im Gegenteil: Obwohl wir zwei Männchen in der Gruppe haben, war Jimmy bis zum Schluss unangefochten der Chef“, so Gruber.

Diese Lücke wird nun wohl Jimmys Sohn Kielius füllen. Ein Ersatz für Jimmy ist vorerst nicht angedacht. Wenn überhaupt, dann kann das nur ein Weibchen sein. „Auf absehbare Zeit“ will das Aquarium kein neues Männchen aufnehmen, „damit es nicht zu Spannungen mit Kielius kommt“, sagt Leiter Gruber.
 

Die Seehunde werden täglich (außer freitags) um 10 und 14:30 Uhr gefüttert.


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erstellt am 21.Mär.2015 | 06:19 Uhr

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