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Überraschung bei Prozess in Kiel : Toter Rentner: 46-Jähriger streitet Mord ab

vom

Beim Prozessauftakt in Kiel bricht der Angeklagte sein Schweigen. Er soll einen 82-Jährigen getötet haben. Die Leiche wurde nach wochenlanger Suche am Nord-Ostsee-Kanal entdeckt.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 11:13 Uhr

Kiel | Mit einer handfesten Überraschung hat am Mittwoch der Indizienprozess um den gewaltsamen Tod eines 82-jährigen Rentners in Kiel begonnen. Der 46-jährige Angeklagte stritt in einer ersten Erklärung vor dem Kieler Landgericht unter Tränen den Mord ab. Bisher hatte er zu den Anklagevorwürfen geschwiegen.

„Ich weise entschieden den mir vorgeworfenen Mord und den Mordvorsatz zurück“, verlas der Angeklagte aus seiner vorbereiteten Erklärung unter Tränen. Er räumte aber gleichzeitig ein, dass er die EC-Karte des Opfers an sich nahm und bundesweit insgesamt rund 3000 Euro abhob. Er habe damit Spuren verwischen und den Verdacht auf einen unbekannten Täter lenken wollen, sagte er.

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass der Mann am 4. Oktober 2013 den Rentner aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat tötete. Lange fehlte von dem Rentner jede Spur. Trotz intensiver Suche von Polizei und 20 Beamten der Mordkommission wurde die bereits verwesende Leiche erst 18 Tage nach dessen Verschwinden per Zufall entdeckt. Ein sogenannter Geo-Cacher, der per GPS auf „Schatzsuche“ war, fand sie in einer Böschung nördlich der Alten Levensauer Hochbrücke am Nord-Ostsee-Kanal. Tage zuvor hatte ein Mantrailer-Spürhund die Beamten fast zum Fundort geführt. Doch er blieb auf der Hochbrücke stehen. Polizeitaucher und ein Hubschrauber suchten daraufhin im und am Kanal nach dem Vermissten, ohne ihn zu finden.

Nach der Aussage des Angeklagten hatte er den Rentner, bei dem seine Frau als Haushaltshilfe arbeitete, wieder einmal besucht. Als er ihm ein Glas Wasser holen wollte, sei der Rentner im Nebenzimmer plötzlich zusammengebrochen und gestorben. Um „wegen meiner kriminellen Vergangenheit nicht mit seinem Tod in Verbindung gebracht zu werden“, sei er zunächst geflüchtet, dann aber zurückgekehrt und habe die EC-Karte an sich genommen, sagte er. Später habe er die Wohnung gereinigt und die Leiche nur wenige Kilometer entfernt am Nord-Ostsee-Kanal im Unterholz abgelegt, sagte der Mann.

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