Landgericht Kiel : Tochter schwer missbraucht – lange Haftstrafe für Vater

Der Mann aus Neumünster flog im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall aus Freiburg auf.

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05. Juni 2018, 11:47 Uhr

Kiel | Die Qualen des kleinen Mädchens dauerten sechs Wochen. Der Täter: der Vater des Kindes. Jetzt muss der 32-Jährige aus Neumünster wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Staatsanwältin und Nebenklage hatten zehn Jahre Gefängnis beantragt, der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von maximal sieben Jahren.

Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts hielt am Dienstag sieben schwere Missbrauchstaten für erwiesen, sagt der Vorsitzende Richter Kai Ole Beth. Tatzeitraum demnach: Anfang April bis Mitte Mai 2016. Geschehen war es meist in der Wohnung der Familie in Neumünster und einmal in einem Waldstück.

Laut Anklage wusste die Mutter nichts von dem Martyrium ihrer Tochter. Der arbeitslose Vater habe dem Kind ein Schweigegebot auferlegt, sagte Beth in der Urteilsbegründung. Während er von einem tat- und schuldangemessenen Urteil spricht, will die Staatsanwältin Revision prüfen. Das Urteil sei deutlich zu milde, sagt die Anklägerin. Sie und die Nebenklage hatte zehn Jahre Haft für den angeklagten Deutschen gefordert, der Verteidiger sieben Jahre.

Verbindungen über das Darknet

Der 32-Jährige flog im Zusammenhang mit dem Freiburger Missbrauchsfall eines Neunjährigen auf. Die Urteilsbegründung des weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozesses warf ein Schlaglicht auf die Verbindungen pädophiler Täter über das Darknet. Der 32-Jährige flog im Oktober 2017 nach Hinweisen vom Hauptangeklagten im Freiburger Fall um den Missbrauch eines Neunjährigen auf. Dessen Verfahren startet am 11. Juni.

Beide Männer tauschten Videos und Bilder des schweren Missbrauchs der Siebenjährigen und des Neunjährigen, sagte der Richter. Der 39-Jährige aus Staufen belastete den 32-Jährigen demnach auch als Zeuge im Kieler Prozess. Seine Tipps führten dazu, dass der Angeklagte seit November in Untersuchungshaft sitzt.

Bereits 2014 ein Ermittlungsverfahren

Ausdrücklich wies die Jugendkammer die Behauptung des 32-Jährigen zurück, er sei von dem 39-Jährigen zu dem schweren sexuellen Missbauch seiner Tochter gezwungen worden. Der Angeklagte habe nicht plausibel erklären können, womit er angeblich erpresst worden sei.

Zudem hätte er seinerseits den 39-Jährigen anzeigen müssen, als der ihm ein Foto mit dem Missbrauch des neunjährigen Sohnes seiner mitangeklagten Lebensgefährtin geschickt habe.

Laut Urteil bestanden offenbar seit längerem Beziehungen zwischen beiden Männern. So habe der 32-Jährige den 39-Jährigen im Jahr 2016 vor einem geplanten Polizeieinsatz gewarnt, nachdem die Polizei erneut gegen ihn selbst ermittelte hatte. Allerdings wieder ohne Erfolg. Schon 2014 wurde demnach ein Ermittlungsverfahren gegen den 32-Jährigen wegen sexuellen Missbrauch eines anderen Kindes eingestellt.

Für seine Taten hatte sich der Angeklagte vor Gericht entschuldigt und Therapiebereitschaft angekündigt. „Grundvoraussetzung ist, dass Sie sich den Taten stellen und Verantwortung übernehmen und sie nicht auf andere verlagern“, betonte Richter Beth.

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