Erstmals in Buchform : Tiefer Einblick in Kieler Werftengeschichte

Stellten das neue Buch gestern im Rathaus vor: Autor Dr. Christian Ostersehlte, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der Vorsitzende der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Dr. Jürgen Jensen, sowie der Husumer Verleger Ingwert Paulsen (v.l.).
Stellten das neue Buch gestern im Rathaus vor: Autor Dr. Christian Ostersehlte, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der Vorsitzende der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Dr. Jürgen Jensen, sowie der Husumer Verleger Ingwert Paulsen (v.l.).

Der Schiffbau als ein Stück Kieler Identität: Ein Bremer Schifffahrtshistoriker hat die Entwicklung von der Breiten- zur Nischenindustrie in Buchform aufgearbeitet.

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05. Dezember 2014, 06:02 Uhr

HDW, Lindenau, Doppelhüllentanker, U-Boot-Bau. Vielleicht noch die Kaiserliche Yacht. Für viele Kieler hört es bei diesen Stichpunkten auf, wenn sie an die Werftenlandschaft in der Landeshauptstadt denken. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, gut sieben Monate im Amt, hat seinen ersten Arbeitstag auf dem großen blauen Markenzeichen der Stadt, dem HDW-Portalkran, begonnen. Schließlich gehören Schiffbau und Marine zur Kieler Identität. „Um so mehr war ich überrascht“, so Kämpfer, „dass es noch keine umfassende Darstellung der Kieler Werftenhistorie gab“. Erstmals ist die Entwicklung von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis heute – wissenschaftlich aufgearbeitet – nun in Buchform erschienen. Gestern wurde das Buch im Rathaus vorgestellt.

Vor drei Jahren vergab die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte den Forschungsauftrag an den Bremer Schifffahrtshistoriker Christian Ostersehlte. Er hatte bereits eine Historie der Howaldtswerft verfasst, erarbeitete nun einen Überblick, der die Bedeutung des Standortes Kiel auch in einen größeren deutschen und europäischen Zusammenhang stellt. Verleger Ingwert Paulsen brachte die „Kleine Werftengeschichte“ im Husum Verlag heraus. Für Dr. Jürgen Jensen, Vorstand der Gesellschaft, ist sie „ein wichtiger Beitrag zur Wirtschafts-, Militär- und Werftgeschichte“ in der Region. Kiels OB Kämpfer zeigte sich „hocherfreut“, denn durch die Lektüre sei nun die gefühlte Realität des Schiffbaus in der Stadt mit realem Wissen stärker in Deckung zu bringen: „Auch für einen Laien wie mich ist es anschaulich und verständlich zu lesen.“ Verleger Paulsen freut sich, dass auch die Produkte der Werften, individuelle Schiffe, im Buch mit vielen Abbildungen zur Geltung kommen: „Der Leser kann eine persönliche Beziehung aufbauen.“

Auf 229 Seiten taucht der Leser ein in mehr als 150 Jahre Entwicklungszeit des Schiffbaus – von der Breitenindustrie bis zur heutigen, durch Globalisierung und Konkurrenz geprägten Nischensparte. Der Autor steigt ein, als nach bescheidenen Anfängen im 18. Jahrhundert Kiel ab 1865 als Reichskriegshafen zum Marinestützpunkt wird, sich zur Großstadt entwickelt. Er beleuchtet den Höhepunkt im Jahr 1914, als die Region zu den bedeutenden Werftstandorten im Deutschen Reich zählte. Natürlich lässt er das dramatische Auf und Ab zweier Weltkriege sowie wirtschaftliche Blüte- und Flautezeiten und ihre Einflüsse auf die Landeshauptstadt und ihre Werften nicht aus. Für Laien ist es ein tiefer Einblick. Fachmann Christian Ostersehlte selbst gibt sich bescheiden: „Ich habe doch nur die Oberfläche angekratzt.“


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„Schiffbau in Kiel – Kleine Werftengeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart“; Autor: Christian Ostersehlte; 229 Seiten; Husum Verlag; ISBN: 978-3-89876-727-9; Preis: 14,95 Euro.

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