Ende des Kohle-Zeitalters : Testlauf im neuen Kieler Kraftwerk

Vergangenheit und Zukunft: Jörg Teupen steht auf dem Dach des neuen Motorenhauses. Neben sich befinden sich die sogenannten Rückkühler, die bei Volllastbetrieb im Sommer das Fernwärmewasser abkühlen. Im Hintergrund das alte Kohlekraftwerk.  Fotos: Carstens (2)
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Vergangenheit und Zukunft: Jörg Teupen steht auf dem Dach des neuen Motorenhauses. Neben sich befinden sich die sogenannten Rückkühler, die bei Volllastbetrieb im Sommer das Fernwärmewasser abkühlen. Im Hintergrund das alte Kohlekraftwerk. Fotos: Carstens (2)

In wenigen Monaten geht das neue Kraftwerk ans Netz. Im Moment werden die Gasmotoren auf die Inbetriebnahme vorbereitet.

shz.de von
10. Juli 2018, 18:04 Uhr

Auf dem Prüfstand haben alle 20 Gasmotoren schon im heimischen Jenbach in Österreich gestanden. Doch der Lauf unter Laborbedingungen ist etwas anderes als der Test in der Praxis. Mit der Einstellung, Überwachung und Justierung der massiven, jeweils 175 Tonnen schweren Aggregate hat im Küstenkraftwerk auf dem Kieler Ostufer die heiße Phase vor der offiziellen Inbetriebnahme begonnen. Im Frühjahr 2019 wird das benachbarte Kohlekraftwerk definitiv abgeschaltet, danach soll das moderne Gasmotoren-Heizkraftwerk die Strom- und Fernwärmeversorgung übernehmen.

An diesem Zeitplan hat Jörg Teupen, im Vorstand der Kieler Stadtwerke für die Technik zuständig, auch keinerlei Zweifel mehr. Zumal der Kohle-Meiler nebenan, extra für ein letztes Jahr ertüchtigt, endgültig ausgedient hat. Das Kohle-Zeitalter geht dann in Kiel zu Ende. Das ist gut fürs Klima und gut für die Finanzen. „Ein Kohle-Kraftwerk lässt sich heute ökonomisch nicht mehr fahren“, erklärt Teupen.

Im Prinzip sollen die 20 Gasmotoren später vollautomatisch fahren. Lediglich 30 Mitarbeiter werden – rund um die Uhr, 365 Tage lang – für den Betrieb nötig sein. Beim Noch-Kohle-Nachbarn sind es mehr als drei Mal so viele.

Die Anlage ist auf eine Leistung von 380 Megawatt ausgelegt, jeweils zur Hälfte als Strom und Fernwärme. Deshalb erzielt das Kraftwerk einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent. Ein gewaltiger Wärmespeicher wird überschüssiges heißes Wasser aufnehmen, seine Kapazität reicht aus, das Kieler Fernwärmenetz sechs Stunden lang verlustfrei zu betreiben.

Die Garantie für die Gasmotoren erstreckt sich über fünf Jahre, der Wartungsvertrag mit Jenbacher läuft über die doppelte Zeit – mit der Option, um weitere fünf Jahre zu verlängern. Das gegenwärtig modernste Kraftwerk Europas mit seiner zukunftsweisenden Technologie beschert den Stadtwerken Anfragen aus aller Welt. Sogar eine Delegation aus Kiels Partnerstadt San Francisco war schon zu Besuch auf der Baustelle. „Wir sind die Ersten und Größten“, sagt Teupen und fügt hinzu: „Wir haben viele potenzielle Nachahmer.“

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