Jahreswechsel : Taxifahren am Silvesterabend

Seit 30 Jahren fährt Jürgen Schellhase Kieler in seinem Taxi sicher nach Hause: Der Taxifahrer hat auf seinen Touren in und um die Fördestadt schon so einiges erlebt.
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Seit 30 Jahren fährt Jürgen Schellhase Kieler in seinem Taxi sicher nach Hause: Der Taxifahrer hat auf seinen Touren in und um die Fördestadt schon so einiges erlebt.

Jürgen Schellhase fährt seit 30 Jahren Taxi. In der Silvesternacht müssen er und seine Kollegen vor allem auf Böller und Glasscherben Acht geben.

shz.de von
29. Dezember 2017, 10:52 Uhr

Bis zu 4000 Taxifahrten schaffen die Fahrer von Taxi Kiel an Silvester. Rund 2500 Taxen werden telefonisch in der Zentrale vorbestellt. Die restlichen Wagen schnappen ihre Passagiere auf der Straße auf. Unter „Winker“ oder „Einsteiger“ kennt der Taxifahrer Jürgen Schellhase diese Sorte Kunde. Der 58-Jährige ist seit 30 Jahren im Taxigeschäft. Rund 26 Silvesterabende hat der gebürtige Kieler schon hinter dem Steuer verbracht. „Die Silvesternacht ist ein kleiner Zusammenschnitt aus 51 Wochen im Jahr“, sagt Schellhase. „Da ist eben alles ein bisschen geballt.“

In der Silvesternacht sei alles ein wenig anders, als in normalen Nächten. „Bis um und bei 22 Uhr ist ordentlich was los“, so Schellhase. „Dann ist aber erstmal Ruhe, weil alle bei ihren Feierlocations angekommen sind.“ Für den Start des großen Ansturms könne man fast die Uhr stellen. Pünktlich um 0.15 Uhr gehe es meistens los. „Und dann ist richtig Stress“, sagt der Kieler. „Unsere Kunden müssen da im schlimmsten Fall schon einmal mit zwei oder drei Stunden Wartezeit rechnen.“ Vor 24 Uhr sei der Umsatz für die Fahrer oft schon sehr gut. „Nach Mitternacht kommt meistens noch einmal das doppelte obendrauf“, erklärt Schellhase. Die Silvesternacht sei in der Regel die umsatzstärkste im ganzen Jahr.

Im Taxi sei an Silvester fast alles, wie in jeder anderen Nacht auch. „Die Leute reißen sich an Silvester ein bisschen mehr zusammen“, sagt Schellhase. „Sie sind froh, dass sie endlich nach Hause kommen. Da muss man nicht mehr so viel Erziehungsarbeit leisten, wie an einem normalen Abend.“ In seinen Nachtschichten hat der 58-Jährige eigentlich schon alles erlebt. „Manchmal ist das, was sich auf der Rückbank abspielt wie in einem Film“, erzählt der Kieler. „Ehedramen sind keine Seltenheit.“ Meistens halte Schellhase sich aber raus, auch wenn die Unterhaltungen schon einmal lauter werden können als das Radio.

Eine junge Dame ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Schon beim Einsteigen merkte Schellhase, dass etwas nicht stimmte. „Sie hat versucht, tapfer zu sein und nicht zu weinen, aber als ich ihr dann ein Taschentuch anbot, liefen die Tränen schließlich doch“, sagt Schellhase. Auch hier war ein Beziehungsstreit vorausgegangen. In solchen Momenten müsse man natürlich versuchen, zu trösten.

Was die Silvesterschicht wohl aber am Besondersten macht, sind die äußeren Umstände. „Es kommt schon einmal vor, dass ein Böller oder eine Rakete nach einem Taxi geworfen wird“, so Schellhase. Das größte Problem hätten die Fahrer aber mit den Glasscherben auf der Straße. „Wenn wir uns einen Platten holen, dann müssen wir warten, bis uns ein Ersatzreifen gebracht wird.“ In den neuen Wagen sei wegen der Erdgas- oder AdBlue-Tanks kein Platz für die Reserveräder mehr vorgesehen. „Mit der Zeit lernt man aber, wo man besonders auf die Glasscherben aufpassen muss“, sagt Schellhase. „Das ist alles eine Frage der Erfahrung.“ Gewisse Straßen würden er und seine Kollegen zwischen 24 und 1 Uhr allesamt bewusst meiden. „Da ist es dann einfach zu gefährlich, wenn zu viel geböllert wird.“

In diesem Jahr wird Jürgen Schellhase allerdings nicht selbst auf den Straßen unterwegs sein. Silvester sei zwar die umsatzstärkste Nacht, er habe sich aber ein ruhiges Wochenende vorgenommen.

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