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Kieler „Glückslokal“ : Tausch’ dich glücklich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tauschbörse: Im Kieler „Glückslokal“ können die Menschen sich neu mit Spielen und Kleidung eindecken – ganz ohne Geld. Sie tauschen.

Kiel | Während die Sonne Kiel-Gaarden auf mindestens 25 Grad erhitzt, dreht und wendet sich Melanie in einem grauen Wintermantel. „Er hat mir einfach auf Anhieb gut gefallen“, lacht die 32-Jährige. „Den kann man ja auch in den Schrank hängen, bis es wieder kälter wird.“ Doch so oft sie auch an sich herunterschaut: Er ist viel zu groß. Eine andere Größe? Gibt es nicht. Denn Melanie ist auf der Klamotten-Tausch-Party im „Glückslokal“. Hier gibt es nur, was andere abgegeben haben.

„Wir wollen, dass Dinge nicht ständig weggeworfen, sondern weiter verwendet werden“, erklärt Pardis. Die 20-Jährige ist die Jüngste im ehrenamtlichen Team, das das Kieler Glückslokal im April eröffnet hat. Die Idee ist nicht neu: Schon länger gibt es im Internet unterschiedliche Gruppen und Foren, in denen Kleidung und andere Gegenstände getauscht werden können. Mit dem Glückslokal sollte nun ein Platz geschaffen werden, der sowohl lokaler Tauschladen, als auch ein Ort der Begegnung ist. Darum werden in den kleinen Räumen auch Häkeltreffs oder Wohnzimmerkonzerte veranstaltet – und im Hinterhof Gemüse angebaut.

Die Klamotten-Tausch-Party findet bereits zum zweiten Mal statt. Zwischen 30 und 40 Personen, hauptsächlich Frauen, sind jedes Mal dabei. „Mehr passen hier einfach nicht rein“, erzählt Adriana, die sich um die Organisation kümmert. Viele sind über die Facebook-Seite auf das Glückslokal aufmerksam geworden, ein Teil ist aber auch zufällige Laufkundschaft. Jeder kann maximal zehn Teile mitbringen. Was gut erhalten ist, wird in den Fundus aufgenommen, im Tausch für kleine bunte Puppenschuhe. Die werden hier als Tauschmarken zweckentfremdet und können wiederum gegen Kleidung, Bücher, Schmuck oder Krimskrams eingetauscht werden – schließlich ist es bei dem wechselnden Sortiment immer auch Glück, ob und wann man Passendes findet.

Melanie hat den Mantel inzwischen zurückgehängt – er passt wirklich nicht. Aber zwei Kleider und ein Jäckchen wird sie mitnehmen. Dafür lässt sie ein paar Blazer dort, die ihr zu klein geworden sind. Für die Tausch-Party ist sie extra aus Neumünster angereist. „Ich liebe einfach Klamotten und finde Tauschen cool“, sagt die derzeit Arbeitssuchende.

Auch Katharina kann sich vorstellen, wiederzukommen. Die 24-Jährige studiert Soziale Arbeit in Kiel. Sieben Kleidungsstücke hat sie mitgebracht – Kleider, Jeans und Oberteile. Etwas Bestimmtes sucht sie nicht. „Ich glaube es ist am besten, wenn man einfach zum Stöbern herkommt“, sagt sie und zeigt drei Kleider, die sie schon gefunden hat.

Geduld und Lust am Stöbern sind tatsächlich unerlässlich, denn die drei kleinen Räume des Glückslokals sind dicht bepackt: ein Regal voller Hosen, ein anderes vollgestopft mit Kinderkleidung sowie mehrere Ständer mit Pullovern, T-Shirts und Blusen, dazu kommen Fächer voller Kuscheltiere, Geschirr und Bücher. „Wir brauchen dringend noch Regale und stabile Kleiderständer“, sagt Adriana. Die zu kaufen sei derzeit jedoch nicht möglich. „Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden und unsere mittlerweile über 100 Vereinsmitglieder“, erzählt sie. Doch von den Monatsbeiträgen in Höhe von drei Euro pro Person müssen auch Raummiete, Strom und Wasser bezahlt werden. Um das Projekt fortsetzen zu können, werden darum dringend neue Mitglieder gesucht.

> Die nächste Klamotten-Tauschbörse ist am Donnerstag, 7. August.

Internet: facebook.com/glueckslokal

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erstellt am 03.Aug.2014 | 14:14 Uhr

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