Überfall war Frei erfunden : Tannenbaumverkäufer legt Geständnis ab

Er wollte das Geld aus dem Tannenbaumverkauf für sich behalten, ein Auto und Weihnachtsgeschenke für die Kinder bezahlen. Deshalb erfand der arbeitslose Mann Ende 2013 einen Überfall. Doch die Kripo enttarnte seine Märchengeschichte. Vor dem Amtsgericht kam der 30-Jährige mit einer Geldstrafe davon.

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19. Dezember 2014, 17:57 Uhr

Das war verlockend: jeden Abend ein paar Hunderte von Euros in der Tasche, zugleich aber ein Berg von Rechnungen zu Hause auf dem Tisch. Und Kinder, denen man gerne Weihnachtswünsche erfüllen möchte. Der 30-jährige Tannenbaumverkäufer lieferte die Einnahmen eben nicht wie gefordert bei seinem Chef ab. Das ging zwei, drei Tage gut – und dann erfand der arbeitslose Mann einen Überfall, um das Geld zu behalten. Doch die Kripo kam ihm schnell auf die Schliche, bei der Tatrekonstruktion verwickelte er sich in Widersprüche. Wegen Unterschlagung und Vorspiegelung einer falschen Straftat verurteilte ihn das Kieler Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 2160 Euro, errechnet aus 80 Tagessätzen von 27 Euro. Außerdem muss er den Schaden ersetzen. Aus der ursprünglichen Summe von 1500 Euro ist mit Gebühren und Anwaltshonoraren ein Betrag von 3400 Euro erwachsen.

Der Mann mit dem kräftigen Körperbau und Tätowierungen am Hals hatte zeitweilig als Helfer im Gerüstbau mit angepackt, war zu Beginn des Winter 2013 aber arbeitslos geworden. Der Adventsjob im Gewerbegebiet Raisdorf sollte ein bisschen Geld in die Kasse spülen. Für seine neue Lebensgefährtin und die beiden kleinen Kinder sollte ein Auto her, außerdem wollte er sich um seine leibliche Tochter in Schwarzenbek kümmern. „Es ist mir alles über den Kopf gewachsen“, erklärte der 30-Jährige dem Amtsgericht seine „Kurzschlussreaktion“ vor einem Jahr.

Mittlerweile hat er wieder feste Arbeit bei einer anderen Gerüstbaufirma, außerdem versucht er, mit Hilfe der Schuldnerberatung seine finanzielle Lage (8000 Euro Schulden) in den Griff zu bekommen. Das rechnete ihm die Richterin an und verzichtete auf eine Gefängnisstrafe für den voll geständigen, unter Bewährung stehenden Angeklagten. Auch die Entschuldigung gegenüber seinem früheren Chef, mit Händedruck vor Gericht besiegelt, schlug zu seinen Gunsten aus.

Eine Ermahnung gab es aber nicht nur für den Angeklagten, sondern auch für den Tannenbaumhändler. Mit seiner Bezahlung von 400 oder 500 Euro (Fahrtkosten bereits eingerechnet) für die Helfer im Verkauf bewege er sich am Rande der Schwarzarbeit. Die formelle Anmeldung der Mitarbeiter bei der Knappschaft bewerteten Staatsanwaltschaft wie Richterin als kaum ausreichend: „Damit wird Schindluder getrieben.“

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