zur Navigation springen

Tischfussball : Taktik am Tisch, Kontrolle im Kopf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die leistungsbezogene Variante des Tischfußballs hat nur noch wenig mit dem Spaß-Kickern in der Kneipe zu tun. In Kiel fand jetzt die Landesmeisterschaft statt.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 13:30 Uhr

Es ist höchste Zeit, dass sich was dreht. In diesem Fall sind es reihenweise Stangen, an denen kleine willenlose Figürchen befestigt sind. Zwei Mal elf kleine Männchen, bedient von zwei bis vier geschickten Händen. Jetzt fanden im Sportzentrum Schrevenpark des Kieler MTV (Jahnstraße 8a) gerade die Landesmeisterschaften im Tischfußball statt.

Es knallt ab und zu gewaltig, wenn Henning Krumbeck (32) und Johannes Kolbe (23) am Tisch stehen. Der Ball lässt sich kaum mit den Augen verfolgen, so schnell sind die Schüsse, die Krumbeck und Kolbe die grünen und schwarzen Figürchen abfeuern lassen. Die beiden Kieler können philosophieren, wenn es um ihre Sportart geht. 70 Prozent sei Kopfsache beim Tischfußball im Spitzenbereich, sagt Krumbeck. Trainingsfleiß schlage Talent, behauptet Kolbe. Und dann zitieren sie einen amerikanischen Sport-Kommentator, der einmal sagte: „Tischfußball ist Hochgeschwindigkeits-Schach.“

Für beide ist es zumindest mehr als ein Hobby. Es ist Leidenschaft. Es ist Leistungssport. Und dabei ist Tischfußball in Schleswig-Holstein offiziell noch nicht einmal überhaupt Sport. Doch genau das soll sich bald ändern, sagt Krumbeck: „Wir liegen im Trend und sind auf dem Vormarsch, eine anerkannte Sportart zu werden.“ Speziell in Kiel, wo es viele Studenten gebe, sei das Potenzial vorhanden, viele für das Spiel zu begeistern. Vorbild sei die Hamburger Szene mit rund 700 Spielern alleine im Liga-Betrieb. Auch Kolbe und Krumbeck mischen dort bei Lokomotive Hamburg mit.

Krumbeck selbst spielt seit 2007 Tischfußball. Im „Hanging Garden“ in der Waitzstraße wurde er mit dem Virus infiziert. Mit dem Kickern in der Kneipe hat Tischfußball für ihn mittlerweile aber kaum noch etwas zu tun. Zu einer ernsthafteren Angelegenheit wurde es bei einem zweijährigen studentischen Intermezzo in Hamburg.

Johannes Kolbe ist erst seit rund zwei Jahren dabei. Er habe sich schon immer für tischfußballerisch begabt gehalten, erzählt er. Bei den ersten Trainingseinheiten gab es dann aber „kräftig auf die Mütze. Ich habe am Anfang verloren, verloren, verloren.“ Doch erste Erfolge stellen sich beim Tischfußball zügig ein, betonen beide. „Man macht superschnell Fortschritte, wenn einem gezeigt wird, wie es geht“, sagt Henning Krumbeck. Und Kolbe nickt bestätigend. Zumindest bis über Kneipen-Niveau könne jeder diese Sportart lernen.

Beim Tischfußball spielen Feinmotorik, Reaktionsschnelligkeit und Hand-Auge-Koordination eine wichtige Rolle. „Und es geht um Quote, Effizienz und Fehlerminimierung – weg vom wilden Raufgeballer, hin zu Taktik und konzentriertem Spiel“, sagt Kolbe. Jeder Spieler habe dabei sein eigenes System. Den 23-Jährigen fasziniert aber auch der direkte Kontakt mit dem Kontrahenten, das Vorausahnen der nächsten Handlung, das Spüren der Emotionen: „Wenn sich der Gegner freut oder ärgert, ob er kämpft oder aufgibt, das bekommt man alles hautnah mit. Er steht ja nur einen Meter entfernt.“ Man selbst müsse daher vor allem Konzentration und Kontrolle bewahren, sagt Krumbeck, um dem Gegner keine Angriffsfläche zu bieten.

Student Kolbe und Ingenieur Krumbeck nennen Tischfußball beharrlich eine Sportart. Sie glauben fest daran, dass es früher oder später so kommen wird. Und sie tun auch viel dafür. Der Tischfußballverband Schleswig-Holstein (TFVSH), bei dem Kolbe Kassenwart ist, wurde 2008 aus der Taufe gehoben, die Landesliga kam 2011. Dort stehen Krumbeck („Freundlich & Kompetent“) und Kolbe („Bandoleros“) für verschiedene Teams am Tisch. Neben der Liga werden auch Turniere ausgerichtet, so wie jetzt die Landesmeisterschaften im KMTV-Sportzentrum.

Dort – in dem erst im August eingeweihten Tischfußball-Raum – finden auch die Trainingseinheiten der Kieler Tischfußballer statt: montags (für KMTV-Mitglieder oder mit KMTV-Schnupperkarte), dienstags (Uni-Sport) und mittwochs (FH-Sport) jeweils von 18 bis 20 Uhr. Zudem steigt normalerweise immer am ersten Freitag im Monat ein so genanntes „Fair4All“-Turnier , zudem auch Anfänger willkommen sind.

Kontakt zum Tischfußballverband Schleswig-Holstein kann per E-Mail an den 1. Vorsitzenden Johann Olsen (jolsen@tfvsh.de) aufgenommen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen