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Gefährliches Jakobskreuzkraut : Studie: Honig ist (meistens) giftfrei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

97 Prozent der Proben vom aktuellen Sommerhonig weisen keine oder nur geringe Belastungen mit dem heimtückischen Wirkstoff PA auf. Für dieses Gift ist meist das Jakobskreuzkraut verantwortlich. Deshalb bleibt die Nähe zu Bienenvölkern ein Risiko.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 11:21 Uhr

Der Verbraucher im Norden kann Honig aus regionaler Produktion nahezu bedenkenlos genießen. Das legt eine Studie der Stiftung Naturschutz nahe. Honig, der mit dem gefährlichen Wirkstoff PA (Pyrrolizidin-Alkaloid) des giftigen Jakobskreuzkrautes (JKK) belastet ist, gelangt nicht in den Handel, gibt sich auch der Landesimkerverband überzeugt. Doch sicher ist ebenfalls: Die Ausbreitung von JKK auf hiesigen Wiesen und Feldern stellt die Honigproduzenten im Lande vor große Probleme. Ziel ist deshalb ein verlässlicher Leitfaden für das „Imkern trotz Jakobskreuzkraut“, er soll spätestens in zwei Jahren vorliegen.

Meldungen beispielsweise über Rinder, die am JKK auf der Weide verendet sind, und Untersuchungsergebnisse über hochbelasteten Honig haben seit dem vergangenen Jahr Landwirte, Imker, Naturschützer und Verbraucher aufgeschreckt. Die Stiftung Naturschutz hat das zum Anlass für eine landesweite Studie genommen, an der sich 158 Imker in Schleswig-Holstein mit zusammen 200 Proben ihres Sommerhonigs von über 1200 Bienenvölkern beteiligt haben.

Nach Auswertung von 186 Proben im Bremer Labor Intertek stellte Dr. Aiko Huckauf als Leiter des JKK-Kompetenzzentrums bei der Stiftung Naturschutz die Ergebnisse vor. In 125 Proben, also etwa in zwei Dritteln, wurden keinerlei Spuren des PA-Giftes entdeckt. In weiteren 56 Proben lag der PA-Gehalt (meist sehr deutlich) unter dem Orientierungswert von 140 Mikrogramm pro Kilo Honig. In fünf Fällen (drei Prozent) allerdings wurde diese Marke überschritten, in einem Fall sogar um gut das Dreifache: 461 Mikrogramm.

Diese „Ausreißer“ lassen aufhorchen. Denn es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Giftmenge im Honig und dem JKK-Vorkommen in der Umgebung der Bienenstöcke, wie die Studie belegt. 500 Meter gelten als kritische Zone. Die beiden am stärksten belasteten Proben stammen denn auch von einem Imker, dessen Bienen die Blüten von JKK -„Feldern“ am Rande der Bundesstraßen 76 und 202 angeflogen hatten. Der Honig aus dieser Produktion wurde nicht verkauft, er ist zurzeit eingelagert. Huckauf hat die Hoffnung, dass sich das PA in ungefährliche Bestandteile zersetzt oder etwa bei der Gärung verschwindet.

Allerdings trifft die Aussage „Mehr JKK in der Nähe, mehr PA im Honig“ sind auf sämtliche Standorte zu. So gab es offenbar auch Bienen, die dem gefährlichen Kraut den Rücken zuwandten und sich lieber an andere entfernte Pflanzenblüher hielten. Laut Huckauf ist aber ebenso das Gegenteil möglich: Die Insekten meiden Pflanzen in der Nähe und fliegen zum JKK längere Wege. Der JKK-Experte unterscheidet hier zwischen „guten“ und „schlechten“ Bienenvölkern. Außerdem sondert nicht allein das Kreuzkraut das giftige leberschädliche PA ab, ein Fünftel der Belastung im Honig geht auf Pflanzen wie den Boretsch oder den Wasserdost zurück.

Der Durchschnittswert sämtlicher 186 Proben ergab eine PA-Belastung von 13,8 Mikrogramm. Das ist nicht nur ein Zehntel des Orientierungswertes, das ist zugleich eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als 18,4 Mikrogramm pro Kilo gemessen wurden. Zugleich wies Huckauf darauf hin, dass der heimische Honig deutlich weniger belastet ist als Importware mit durchschnittlich 24 Mikrogramm.

Dietrich Ramert vom Landesimkerverband empfiehlt dem Verbraucher deshalb, Honig beim „Imker ihres Vertrauens zu kaufen“. Laut Ramert macht der Sommerhonig (30 Prozent) nur den kleineren Teil der Produktion aus, Frühjahrssortimente wie der beliebte Rapshonig dagegen werden dagegen geschleudert, bevor das JKK überhaupt blüht. Insgesamt zog Ramert bei der Vorstellung der Studie eine klare Bilanz: „Es kommt kein belasteter Honig mehr in den Handel. Auf dem Markt befindet sich gesunder Honig.“  

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