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Wahl-Überraschung : Stritzls Ticket nach Berlin: „Ich war der ungläubige Thomas“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verspätetes Geburtstagsgeschenk: Der Kieler CDU-Kreischef Thomas Stritzl zieht unerwartet über die Landesliste in den Bundestag ein. Am Wahlsonntag feierte er seinen 56. Geburtstag gefeiert - und bekam kein Direktmandat für Berlin.

Verspätetes Geburtstagsgeschenk für den Kieler CDU-Kreis-Vorsitzenden Thomas Stritzl: Am Morgen nach dem Wahltag, der zugleich auch sein 56. Geburtstag war, hält er plötzlich und unverhofft ein Ticket nach Berlin in den Händen. Als Konkurrent des souveränen Wahlkreisgewinners Hans-Peter Bartels (SPD) war er zwar erwartungsgemäß gescheitert – doch nun rückt er über die Landesliste in den Bundestag. Stritzl sagte schmunzelnd: „Als ich das am Morgen erfuhr, da war ich erst einmal der ungläubige Thomas.“

Stritzl belegt auf der schleswig-holsteinischen Landesliste der CDU Platz zehn. Durch zwei Gründe gelingt ihm nun der Sprung in die Hauptstadt. Zum einen liegt es am guten Abschneiden der CDU im Bund und im Norden, wo sie prozentual mehr Stimmen ergatterte. Jedes Prozent ist zudem wertvoller, weil sich weniger Parteien die Bundestagssitze teilen. Denn das ist der andere Grund: Die Schlappe für die FDP – eine Partei weniger im Bundestag. Eine Sondersituation in Bezug auf die Mandate. Anteilig stehen dadurch auch der CDU mehr Sitze zu. Insgesamt hat Schleswig-Holstein in der kommenden 18. Legislaturperiode 24 Sitze im Bundestag. 13 Abgeordnete ziehen über die Landesliste ein.

Mit der Konstellation hatten die wenigsten gerechnet – auch der Kieler Jurist Thomas Stritzl nicht. „Das ist bei den bekannten Kieler Verhältnissen nicht unbedingt zu erwarten“, sagte der frisch gebackene Bundestagsabgeordnete auf Anfrage unserer Zeitung. Dennoch habe er im Wahlkampf „mit voller Power“ gekämpft. Zudem habe er die FDP im Bundestag erwartet. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass überhaupt Listenmandate in Betracht kommen“, so Stritzl.

Deshalb sei das Ergebnis für ihn natürlich „eine doppelt schöne Überraschung“. Er habe die positive Nachricht am Morgen nach dem Aufstehen vom Landesparteivize Ingbert Liebing aus Nordfriesland erhalten. „Du bist dabei“, habe es geheißen – „und ich habe mir erstmal die Augen gerieben, konnte es nicht richtig glauben“, berichtete Stritzl. Im Internet habe er es nachgeprüft und schließlich Schwarz auf Weiß gelesen. „Auch meine kleine Tochter ist ganz aus dem Häuschen“, sagte Stritzl.

Auch wenn der Kieler bereits Parlamentserfahrung mitbringt – er war fast zwei Jahrzehnte für die CDU im schleswig-holsteinischen Landtag – so springt er doch ins kalte Wasser. Einiges werde er nun umorganisieren müssen, so der 56-Jährige, der in Kiel als Anwalt arbeitet. Und glaubt, dass er vorerst auf den hinteren Bänken des Bundestags beginnen werde. „Ich bin aber kein Hinterbänkler!“, schiebt er schnell hinterher. Er werde sich darauf konzentrieren, die Interessen des Wahlkreises in Berlin zu vertreten. Allen voran stünden die Themen Infrastruktur mit guter verkehrlicher Erreichbarkeit, die Stärkung des Wissenschafts- und Gesundheitsstandortes Kiel sowie der mittelständischen Industrie ganz oben auf der Liste. „Ich freue mich auf die Aufgabe“, sagte Thomas Stritzl.

Schon heute Mittag geht es los: „Erst ist die Landesgruppensitzung, dann Fraktionssitzung, später ein Einführungsgespräch für alle neuen Abgeordneten“, berichtete Stritzl. Am Abend wird er bereits wieder im Zug Richtung Kiel sitzen.

 



Die CDU hat im Wahlkreis 5 (Kiel, Kronshagen, Altenholz) nach eigenen Angaben rund 48 000 Erststimmen erreicht; 5 000 mehr als bei der Bundestagswahl 2009 (plus 3 Prozent-Punkte). Bei den Zweitstimmen waren es 7 500 mehr als 2009, ein Plus von 4,9 Prozent-Punkten (insgesamt absolut rund 43 900 Stimmen). In Kronshagen erreichte die CDU 45,8 Prozent der Erststimmen (absolut 3 535 Stimmen) sowie 41,7 Prozent der Zweitstimmen (absolut 3 225 Stimmen). Ähnlich lief es in Altenholz: Dort holte Kandidat Stritzl 2 981 Erststimmen (45,7 Prozent) und die CDU 2 631 Zweitstimmen (40,2 Prozent).

 

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erstellt am 24.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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