Landgericht Kiel : Streit um Nachtruhe: Vier Jahre Haft für Asylbewerber

Der eine wollte schlafen, der andere einen Film zu Ende sehen. Ein Mann zückte ein Messer - und muss ins Gefängnis.

shz.de von
22. März 2017, 16:38 Uhr

Kiel | Nach einer Messerattacke auf einen Mitbewohner in einer Gemeinschaftswohnung für Asylbewerber in Bad Bramstedt muss ein 26-jähriger Iraker vier Jahre ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht verurteilte den Mann am Mittwoch wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Schwurgericht ging in der Strafzumessung von einem minder schweren Fall aus.

Eine erhebliche verminderte Steuerungsfähigkeit sei nicht auszuschließen, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann. Er wies daraufhin, dass der Kurde aus der Haft wohl abgeschoben werde. Nach Feststellungen des Gerichts gab es am 10. September 2016 einen Streit um die Nachtruhe. Sein Mitbewohner wollte schlafen, der Angeklagte auf dem Smartphone einen Film zu Ende sehen. Im Streit stach der Mann auf seinen Mitbewohner ein. Die 20 Zentimeter lange Klinge prallte an dessen Rippen ab, sonst wären die Einstiche lebensgefährlich gewesen, sagte Brommann. Der Angegriffene konnte dem 26-Jährigen dann das Messer abnehmen.

Der nicht vorbestrafte Kurde war 2015 über Bulgarien und Ungarn nach Deutschland eingereist. Er wurde schließlich in Bad Bramstedt untergebracht. Er hatte im Verfahren gestanden und Reue gezeigt. Er habe auch wegen Alkohol die Kontrolle verloren. Dem Antrag der Staatsanwältin auf Unterbringung des Mannes in der geschlossenen Psychiatrie folgte das Gericht nicht. Sie wollte vier Jahre und acht Monate, der Verteidiger zweieinhalb Jahre Haft. 

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