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Prozessbeginn in Kiel : Streit um Bordell - Trio wegen versuchten Totschlags vor Gericht

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Drei Männer sollen mit Äxten und Schusswaffen auf drei andere Männer losgegangen sein. Es ging um die Führungsposition in einem Kieler Bordell.

Kiel | Im Streit um die Führung eines Kieler Bordells sollen drei Männer mit Äxten auf ihre drei Opfer eingeschlagen und geschossen haben - angeführt wurden sie angeblich vom damaligen Geschäftsführer des Etablissements. Das sagte eines der drei mutmaßlichen Opfer zu Prozessbeginn aus. Der Mann ist Nebenkläger. Er fordert über seinen Anwalt 70.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Er leide noch heute unter den Folgen, sagte der 56-Jährige am Freitag vor dem Kieler Landgericht. Ein Schuss habe sein Bein durchschlagen. Zudem erlitt er Platz- und Schnittwunden, wie er sagte. Seit dem Angriff im Mai 2009 sei er erwerbsunfähig und lebe seither von Hartz IV.

Die 31 bis 42 Jahre alten Angeklagten müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie standen deswegen bereits vor dem Kieler Amtsgericht. Das verwies das Verfahren nach 20 Verhandlungstagen an das Landgericht. Begründung: Die Angreifer hätten möglicherweise den Tod der drei mutmaßlichen Opfer in Kauf genommen. Bei Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt beziehungsweise Beihilfe dazu ist das Schwurgericht zuständig.

Nach seiner Aussage war er im Bordell beschäftigt und Partner des Geschäftsführers. Er habe dafür 20.000 Euro eingebracht, die er von seiner Familie im Kosovo erhalten habe. Kurz vor dem Angriff habe der Geschäftsführer ihn aber rausgeschmissen, sagte der Zeuge. Der 1993 nach Deutschland eingereiste Mann war im Gericht auf eine Simultan-Dolmetscherin angewiesen.   

Nach Auffassung des Staatsanwalts wurden der Zeuge und seine zwei Brüder vom 42-Jährigen in einen Hinterhof gelockt und dann von dem angeklagten Trio und weiteren unbekannten Mittätern attackiert. Die Gewalt soll „generell geeignet“ gewesen sein, „den Tod herbeizuführen“, sagte der Staatsanwalt.

Die Verteidiger wollen eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage erreichen, erklärten sie zu Beginn. Sie äußerten Zweifel an Aussagen des Nebenklägers und gingen von einer geringen Schuld der Angeklagten aus. Die schwiegen auf ihren Rat hin.

Für den Prozess sind zwölf Verhandlungstage bis Mitte Dezember geplant.

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erstellt am 02.Okt.2015 | 10:54 Uhr

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