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Bauausschuss : Streit um Bauprojekt am Blücherplatz Kiel

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Nachbarn lehnen einen Wohnungsneubau im Innenhof-Komplex ab. Die Stadtverwaltung sieht die Pläne hingegen positiv.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Kiel | Soll nahe des beliebten Kieler Blücherplatzes ein Innenhof-Komplex neu bebaut werden? Investoren aus Kiel und München wollen dort, wo jetzt noch alte Garagen stehen, Miets- und Eigentumswohnungen errichten. Die Stadtverwaltung klatscht begeistert Beifall – und die Anwohner gehen auf die Barrikaden. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung der Stadt durften die Parteien ihre Argumente vortragen, pro und kontra. Dabei prallten buchstäblich Welten aufeinander.

Worum geht’s? Zwischen der Nettelbeck- und Hardenbergstraße befindet sich in der Kieler Innenstadt ein Wohnblock, der im Westen von der Holtenauerstraße und im Osten von der Blücherstraße begrenzt wird. In der Landeshauptstadt ein sehr gefragtes Wohngebiet – sowohl für Familien und Alleinstehende als auch Studenten mit dem passenden Kleingeld.

In den Hinterhöfen gibt es viele Garagen, deren Zufahrten, Kleingewerbebauten sowie auch kleinere Gärten. Auf einer rund 7400 Quadratmeter großen Teilfläche dieses Areals, das fast vollständig mit alten Garagen versiegelt ist, sollen vier dreigeschossige Häuser mit einem vierten Staffelgeschoss gebaut werden.

Den privaten Investoren Florian Fräter aus Kiel und SOS-Kinderdorf aus München gehören diese Hofgrundstücke. Ein dritter Eigentümer hat keine Baupläne, steht dem Konzept nach Angaben der Stadt Kiel aber positiv gegenüber. Der Bordesholmer Architekt Werner Schmidt hat bereits konkrete Entwürfe angefertigt. Denen zufolge sollen je 14 Miets- beziehungsweise Eigentumswohnungen mit einer Größe zwischen 55 und 130 Quadratmeter entstehen. Eine Tiefgarage mit etwa 90 Stellplätzen soll Fahrzeuge aus dem Hof verbannen.

Viele Anwohner lehnen die Bebauung ab. Sie haben die Initiative „Blücherdialog – Rettet die Innenhöfe“ gegründet, sprachen jetzt im Bauausschuss vor. Ute Ross und Ines Weißenberg erklärten, sie hätten bereits 2000 Unterschriften gegen die geplante Nachverdichtung gesammelt – „wir sehen keinerlei Vorteile, sondern nur Nachteile darin“. Klar wurde: Die Gegner haben nicht nur Angst um den Verlust von Parkplätzen oder von Licht in ihren eigenen Wohnungen. Sie befürchten auch mehr Verkehr auf den Straßen und eine Verschlechterung des sozialen Gefüges im Viertel durch Luxuswohnungen. Eine vor Ort ansässige Firma sei zudem bereits „vergrämt“ worden, sagte Ute Ross. Daher fordert die Initiative etwa, dass die geplanten Gebäude nicht höher werden sollen, als die bisherige Bebauung ist – also maximal ein- bis eineinhalb Geschosse hoch.

Der Vertreter von SOS-Kinderdorf, Thomas Strahlhuber, widersprach mehreren „Behauptungen“ der Anwohner. „Wohnungen im Luxuspreis-Segment? Wir halten das für eine ganz massive Unterstellung, das ist nicht haltbar“, so Strahlhuber. Die geplanten Wohnungen sollten „zu absolut üblichen Preisen“ angeboten werden: „Unser Ziel: Familien mit Kindern werden bevorzugt.“ Mit besagtem Handwerks-Betrieb sei eine einvernehmliche Lösung gefunden worden. Von Parkplatznot wollte er auch nichts hören, ein Teil der wegfallenden Flächen werde schließlich kompensiert. Und: „In absehbarer Zeit wird es eher zum Ausbau des autofreien Verkehrs kommen.“ Dafür erntete er spöttisches Gelächter. Strahlhuber betonte, „wir werden hier nicht um jeden Preis bauen“. Bei zu viel Gegenwind werde der Vorstand Abstand von den Plänen nehmen: „Im konservativen Bayern sind wir sehr über den Widerstand erstaunt.“

Letztere Worte hörte Bürgermeister und Baudezernent Peter Todeskino (Grüne) gar nicht gern. Er versuchte, die Wogen zu glätten, versprach Rücksichtnahme auf alle Interessen. Man werde nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen. Doch er positionierte sich klar auf Seite der Investoren – das Vorhaben werde er „nachhaltig unterstützen“, allein schon durch die Anforderung nach Wohnraum vor dem Hintergrund einer wachsenden Kieler Bevölkerung. Kiel habe bereits die 240.000er-Marke geknackt. Todeskino geht rund um den Blücherplatz von einer Bevökerungszunahme um rund neun Prozent bis 2031 aus.

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