Kiel : Streit um abgesackte Altstadt-Straße

An der Baustelle zur „Alten Feuerwache“ ist der Jensendamm abgesackt und nun gesperrt.
1 von 3
An der Baustelle zur „Alten Feuerwache“ ist der Jensendamm abgesackt und nun gesperrt.

Schaden durch Bauarbeiten für Wohnprojekt entstanden ? Bauherren und Stadt lassen Ursache durch gerichtlichen Gutachter klären

Avatar_shz von
29. Juli 2014, 06:49 Uhr

Die Kieler Altstadt mausert sich. In 1a-Lage, direkt am Kleinen Kiel und am Ratsdienergarten gelegen, entsteht ein Edel-Wohnprojekt mit dem Namen Alte Feuerwache (wir berichteten). Es geht um 68 Eigentumswohnungen, 50 Studenten-Apartments, sechs Stadthäuser. Seit dem Frühjahr wird auf der gut 5700 Quadratmeter großen Fläche gebaggert. Die Hochbauarbeiten sollen im August starten; die Fertigstellung ist für Mitte 2016 geplant. Doch kurz nach Beginn der Arbeiten ist die Fahrbahn des Jensendamms abgesackt – bis zu 25 Zentimeter. Auch ein Gehweg des Parks ist betroffen. Die Straße musste gesperrt werden. Die Stadt Kiel und die Projektgesellschaft Alte Feuerwache (PAF) streiten über die Ursache. Ein gerichtlicher Gutachter wird nun eingeschaltet.

Für die Stadtverwaltung stand schnell fest: Ursache müssen jene Arbeiten gewesen sein, bei denen der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde, um die Baugrube trocken zu halten. Das Rechtsamt hatte die Bauherren bereits schriftlich aufgefordert, dies anzuerkennen und einer Ersatz- und Ausgleichspflicht nachzukommen.

Ganz so einfach läuft es allerdings nicht. Denn die PAF, bestehend aus Frank Heimbau und BIG Bau Unternehmensgruppe, sieht sich nicht als Verursacher des Schadens. Die PAF hatte nach Auskunft von Projektleiter Matthias Reuner die Wasserhaltung bei der Stadt beantragt: „Die Genehmigung liegt für eine maximale Fördermenge von bis zu zehn Kubikmeter pro Stunde vor. Die Mengen sind zum Zeitpunkt des Schadens aber nur sehr gering gewesen – 1 Kubikmeter pro Stunde.“ Zudem sei bereits vor Beginn der Arbeiten an gleicher Stelle im Jensendamm ein Riss in der Fahrbahndecke festgestellt worden – dieser hatte sich aufgeweitet. Reuner: „Es stellt sich die Frage, ob die Straßenbauarbeiten ordnungsgemäß durchgeführt wurden.“

Die PAF und die Landeshauptstadt Kiel einigten sich bisher nicht und „haben sich darauf verständigt, gemeinsam ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren zu beantragen“, hieß es auf Anfrage aus dem Tiefbauamt der Stadt. Der Antrag solle in den kommenden Wochen eingereicht werden. Das Gericht werde einen unabhängigen Gutachter damit beauftragen, die Schadensursache „mit rechtlicher Verbindlichkeit“ zu klären. Beide Parteien wollen aber weiter professionell zusammenarbeiten, betonen Projektleiter Reuner und die Stadt.

Der gutachterliche Prozess kann sich indes in die Länge ziehen. „Derzeit lassen sich keine verlässlichen Aussagen zur Zeitspanne der weiteren Sperrung, zu den möglichen Reparaturarbeiten und zu den Kosten sagen“, teilte ein Sprecher der Landeshauptstadt mit. Dies hänge von der Dauer und dem Ergebnis des Beweissicherungsverfahrens ab. Erst, wenn die Ursache feststeht, kann repariert werden.

Aus den letzten Jahren sind übrigens der Stadt zufolge keine vergleichbaren Fälle auf städtischen Flächen in der Verantwortung des Tiefbauamtes bekannt.



·

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert