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Hempels-Geburtstag : Straßenmagazin findet 20 000 Leser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor genau 20 Jahren erschien die erste Ausgabe. Seitdem hat sich „Hempels“ kräftig gemausert. 220 Verkäufer sorgen für eine verkaufte Auflage von 20 000 Exemplaren. Zur Geburtstagsfeier heute im Landtag hat sich auch der Regierungschef angekündigt.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 17:44 Uhr

Sie gehören in Kiel und in anderen Orten landesweit zum Straßenbild: die Verkäuferinnen und Verkäufer mit dem Straßenmagazin „Hempels“. Was vor 20 Jahren in einer Tageswohnung der Evangelischen Stadtmission in Kiel begann, hat sich mittlerweile zum festen Bestandteil der schleswig-holsteinischen Soziallandschaft gemausert. Das Jubiläum wird heute im Kieler Landeshaus gefeiert – zum „Hempels“-Geburtstag wird auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) erwartet.

Straßenmagazine – oder „Obdachlosenzeitungen“, wie sie damals hießen – waren in Deutschland noch weitestgehend unbekannt, als die Sozialarbeiter Jo Tein und Jürgen Knudsen zusammen mit Wohnungslosen dank eines Zuschuss der Diakonie über 5000 DM im Februar 1996 die erste Auflage mit 5000 Exemplaren unters Volk brachten. Mit dem Erlös der ersten Ausgabe wurde dann die zweite finanziert.

Wurde die Zeitung anfangs von Obdachlosen für Obdachlose hergestellt, wird sie seit 2003 von einem professionellen Team unter Leitung des Journalisten Peter Brandhorst erstellt; die Leserschaft des landesweit von 220 Verkäufern angebotenen Magazins, das zurzeit eine verkaufte Auflage von 20  000 Exemplaren monatlich erreicht, stammt überwiegend aus der Mitte der Gesellschaft.

Auch das Klientel der Verkäufer hat sich verändert. „Waren es anfangs ausschließlich Obdachlose, verkaufen das Magazin heute auch ALG-II-Empfänger, Ältere mit kleiner Rente und in letzter Zeit zunehmend Menschen aus osteuropäischen Ländern“, sagt Reinhard Böttner, seit 2009 Geschäftsführer des 1997 gegründeten Vereine Hempels. Vorsitzender ist heute noch der Mitgründer Jo Tein.

Der Hintergrund von „Hempels“ hat sich nicht geändert. „Der Zeitungsverkauf soll Hilfsbedürftigen ein Zubrot einbringen, ihrem Alltag Struktur geben und für Kontakte sorgen“, erklärt Böttner weiter. Und es ist vieles hinzugekommen: Neben dem „Café zum Sofa“ und den beiden Kieler Trinkräumen gibt es einen anerkannten Sozialdienst sowie die Schreibwerkstatt in der JVA Lübeck. In Kooperation mit der Evangelischen Stadtmission, der Caritas und dem Kirchenkreis Altholstein wird die Suppenküche betrieben, die drei Kieler Mittagstische beliefert. Zudem wurde 2014 eine Stiftung gegründet, um die Aktivitäten des Vereins Hempels nachhaltig zu fördern.

Auch Jürgen Becker (57), der mit Unterbrechungen seit Anbeginn das Magazin verkauft, ist froh, dass es das Straßenmagazin gibt. „Ohne den Verkauf würde ich mit meinem knappen Einkommen nicht über die Runden kommen. Zudem hat man etwas zu tun. Der Kontakt zu meinen Kunden ist mir sehr wichtig“, sagte der gebürtige Saarländer, der das Magazin am Citti-Park verkauft. Immerhin sind über „Hempels“ echte Freundschaften entstanden.

Am heutigen 11. Februar findet die zentrale Auftaktveranstaltung zum 20. Jubiläum im Landeshaus mit geladenen Gästen statt, bevor es weitere Veranstaltungen in den einzelnen Verkaufsorten geben im Lande wird. Zudem wird derzeit über die neue Gestaltung sowohl des Magazins als auch der Internetpräsenz (www.hempels-sh.de) nachgedacht, was laut Reinhard Böttner im Laufe des Jahres umgesetzt werden soll. Eines aber ändert sich nicht: „Hempels bleibt Anlaufstelle für arme und benachteiligte Menschen, um ihnen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite zu stehen.“  

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