Gedenkstätte : Strande verbietet Gedenkplaketten

Nach einer Seebestattung vor Strande nutzten viele Zurückgebliebene die Möglichkeit, Gedenkplaketten für die Verstorbenen aufzuhängen. Damit ist nun Schluss.
Nach einer Seebestattung vor Strande nutzten viele Zurückgebliebene die Möglichkeit, Gedenkplaketten für die Verstorbenen aufzuhängen. Damit ist nun Schluss.

Die Gemeinde Strande untersagt Angehörigen das Anbringen von Gedenkplaketten nach Seebestattungen. Eine Gedenkstätte, die einige hundert Meter zurückgesetzt ist, aber auch einen freien Blick auf die Ostsee bietet, könnte eine Alternative sein.

shz.de von
03. Januar 2018, 17:26 Uhr

Sie sind klein, rosten schnell und sorgen in der Gemeinde Strande bei Kiel für Ärger: Plaketten, die Angehörige von Verstorbenen auf der Promenade an das Schutzgeländer zur Ostsee geschraubt haben. Die Marken sind mit Namen und Sterbedaten der Toten versehen, die auf See bestattet wurden. Die Angehörigen wollen so einen Ort des Gedenkens schaffen. Bei der Gemeinde hagelte es Beschwerden. Ein Schild untersagt nun das Anbringen der Gedenkmarken. „Ich verstehe, dass die Menschen trauern. Aber wir müssen eine andere Lösung finden“, sagte Strandes Bürgermeister Holger Klink gestern dem Evangelischen Pressedienst (epd). Knapp 1000 Urnen werden in dem Seegebiet vor der Gemeinde Strande jährlich versenkt. Selbst aus Süddeutschland reisen Menschen an, um ihre Angehörigen in der Ostsee zu bestatten.

Gleichzeitig ist der Ort unter dem Bülker Leuchtturm vom Tourismus geprägt. Urlauber kommen her, um Segelveranstaltungen zu besuchen und den Blick auf die freie Ostsee zu genießen. Da passe eine Trauer-Gedenkstätte direkt auf der Promenade nicht ins Bild, sagte Klink. Weder für die Urlauber noch für die Trauernden. Außerdem seien Seebestattungen nunmal anonym. „Wer einen festen Ort zum Trauern braucht, kann seine Angehörigen ja auf einem Friedhof beerdigen lassen“, sagte der Bürgermeister.

Ähnlich sieht das Pastor Lars Emersleben vom Landeskirchenamt in Kiel. Wenn jemand sterbe, sei das keine Privatangelegenheit der Angehörigen. „Die Kommunen haben das Recht, wilde Formen von Gedenkstätten zu unterbinden“, so Emersleben.

In der Entwicklung sieht der Pastor aber auch einen emotionalen Umschwung in der Gesellschaft. „Wir entsorgen unsere Toten nicht einfach, sondern wollen einen Ort zum Trauern. Dieses Phänomen nimmt immer mehr zu.“ Vor 20 Jahren gab es noch die klassische Form der Grabstätte und anonyme Urnengräber. Inzwischen ist auch die Bestattungssituation auf Friedhöfen vielfältiger. Emersleben rät der Gemeinde Strande, mit den Trauernden gemeinsam eine Lösung zu finden.

Oft ist es der letzte Wille der Sterbenden, auf See bestattet zu werden. „Die sind aber bei Gott gut aufgehoben. Die Angehörigen müssen damit leben, dass ein konkreter Ort des Gedenkens fehlt“, sagte Emersleben.

Strandes Bürgermeister Holger Klink kann sich eine Gedenkstätte vorstellen, die einige hundert Meter zurückgesetzt ist, aber auch einen freien Blick auf die Ostsee bietet. Mit Gemeindevertretern und Seebestattern sei er im Gespräch.

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