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Gedenken : Stolperstein für den Ex-Theaterchef

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An Heinrich Albers und zwölf weitere NS-Opfer wird am kommenden Donnerstag an verschiedenen Orten der Stadt erinnert. Der frühere Theaterleiter wurde wegen seiner Homosexualität abgesetzt, verhaftet und in den Tod getrieben.

Nach der Premiere verhaftet – auf dieses unbekannte Kapitel der Kieler Stadtgeschichte machen zwei Stolpersteine aufmerksam, die am Donnerstag, 14. April, in Gedenken an Heinrich Albers und Rolf Salomon-Salberg vor dem Schauspielhaus verlegt werden sollen. Insgesamt werden an diesem Tag zehn neue Stolpersteine gesetzt, ihre Gesamtzahl in Kiel und Kronshagen beläuft sich damit auf 225.

Seit 1997 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt „Stolpersteine“ an Opfer der NS-Diktatur. Er hat seitdem über 56  000 Steine in ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt. In Kiel bemüht sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gemeinsam mit dem städtischen Kulturamt darum, das Schicksal der NS-Opfer aufzuklären. Angesichts häufig nur spärlicher Angaben sind die Recherche- Ergebnisse oft erstaunlich – und genau darin besteht die Absicht des Projektes: Stolpern sollen Passanten nämlich nicht mit den Füßen über die im Boden eingelassenen Steine. Man soll vielmehr aufhorchen, die Erinnerung bewahren. An Juden, Sinti und Roma, an politisch Verfolgte und Homosexuelle, an Euthanasie-Opfer und Zeugen Jehovas – an alle, deren Leben die Nazis mit ihrem Rassenwahn grausam beendeten.

Es ist eine bittere Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet das Bühnenstück „Die Hermannsschlacht“ – von Kleist dem Widerstandswillen der Deutschen gegen die Invasion Napoleons gewidmet – dem Kieler Theaterleiter zum Verhängnis wurde. Premiere war am 28. Oktober 1935, gleich am nächsten Morgen wurde Albers verhaftet. Der erst wenige Monate zuvor berufene Oberspielleiter kam wegen „widernatürlicher Unzucht“ (Homosexualität) in Schutzhaft in Berlin-Moabit. Vor der Überführung ins Konzentrationslager beging er in seiner Zelle Selbstmord – am 23. Dezember, nicht einmal zwei Monate nach der Kieler Premiere.

Die beiden Stolpersteine für ihn und den Schauspieler Rolf Salomon-Salberg werden am Donnerstag um 12 Uhr verlegt. Generalintendant Daniel Karasek ist ebenso dabei wie Albers’ Großneffe Christian Roedig.

Weitere öffentliche Stolperstein-Termine an diesem Tag:
> Rubin, Sara und Arthur Krieger, vor ihrem ehemaligen Textilgeschäft an der Waisenhofstraße 1  B (9 Uhr)
> Die Geschwister Clara Heller und Siegfried David, Papenkamp 7 (9.30 Uhr)
> David Bachner, Küterstraße 28; Recha und Max Brock, Küterstraße 20/24 (10.15 Uhr)
> Selma und Julius Cohn, Preußerstraße 7 (10.45 Uhr)
> Gertrud Wronker, Holtenauer Straße 37 (11.15 Uhr).
 

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erstellt am 07.Apr.2016 | 18:18 Uhr

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