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Container-Unterkunft : Stippvisite im Leben der Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer besuchte gestern die Container-Unterkunft für Asylbewerber auf dem Ostufer. Er wollte „Flagge zeigen“.

Sonnenblumen wachsen hinter dem Haus, Kunststoff-Gartenstühle bieten etwas Platz für Pausen an der frischen Luft. Eine Reihe neuer Briefkästen ist mit den Namen der Bewohner beklebt. Bis zu neun Männer teilen sich einen dieser Kästen. Die Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft bewohnen sie in der Regel zu zweit. Es sind Container, sie bieten Platz für bis zu 60 Männer. Im Moment sind es 47. Im April wurden die ersten Behelfsunterkünfte zwischen Elmschenhagen und Ellerbek aufgestellt, im Juli kam eine zweite Etage hinzu. Insgesamt leben derzeit in Kiel 1103 Asylbewerber.

Wie sich so ein Leben zwischen Containerwänden anfühlt, das wollte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) schon länger erfahren. Gestern besuchte er die Unterkunft, brachte seinen Sozialdezernenten mit – und die Medien lud er zum Fototermin ein. Das machen die Bürgermeister momentan überall. „Flagge zeigen“, so nennt Kämpfer das. Wird der Besuch am Ende mehr sein als Symbolpolitik?

Ins Gespräch kommt Kämpfer mit Warshin Ibrahim, einem Kurden aus Qamischli in Syrien. Er ist 23 Jahre alt, hat in Damaskus Englisch und Literatur studiert, arbeitete als Lehrer. Seit 25 Tagen ist er in Deutschland, er musste fliehen, „Probleme mit dem Militär“, sagt Ibrahim. Er hätte kämpfen sollen, er wollte nicht. Ibrahim kam in einer Gruppe mit der teuren Hilfe eines Schleusers nach Deutschland – Durst, Schlafen auf dem Boden, fünf harte Tage. Kämpfer hört zu. Der Syrer sagt, das neue Leben sei etwas „langweilig“, nur Essen und Schlafen, das reiche nicht. Er will jetzt Deutsch lernen.

Wie es in den Containern so läuft, das erzählt Oday Abbas, der für den Christlichen Verein dolmetscht. Der Verein betreut die Flüchtlinge, die aus Syrien, Irak, Jemen und Eritrea stammen. „Die Atmosphäre ist sehr gut“, sagt er, aber es gebe Probleme: „Kein Supermarkt in der Nähe, sie können sich keine Busfahrkarte kaufen.“ Die Männer möchten gern Sport machen – aber die Schuhe fehlen. Wegen der Metallwände funktionieren Internet- und Mobilfunkverbindungen nicht.

Der Kieler Oberbürgermeister verspricht, sich einzusetzen. Bei den Sprachkursen will er sich um Unterstützung für Materialien kümmern. Um Sport zu ermöglichen, Vereine und Sponsoren finden. Und ein Fußballturnier organisieren.

Das Fazit von Kämpfer am Ende seines Kurzbesuchs: „Es ist etwas anderes, Akten zu lesen oder mit den Flüchtlingen selbst zu sprechen, auch wenn es nur fünf Minuten sind.“

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erstellt am 14.Okt.2014 | 21:18 Uhr

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