Kieler Landgericht : Steuerberater soll Mandatengelder veruntreut haben – vier Jahre Haft

Das Kieler Landgericht.
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Das Kieler Landgericht.

Über zwei Millionen Euro soll ein Steuerberater aus Laboe veruntreut haben. Dafür muss er nun ins Gefängnis.

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14. Juli 2015, 16:11 Uhr

Kiel | Er veruntreute Mandantengelder in Millionenhöhe, um tiefe Löcher seiner eigenen Konten zu stopfen. Dafür erhielt ein Steuerberater aus Laboe jetzt vier Jahre und drei Monate Gefängnis. Dem 59-Jährigen war offenbar seine Leidenschaft für Luxuskarossen zum Verhängnis geworden.

Nach den Feststellungen des Kieler Landgerichts verwendete er jahrelang das ihm treuhänderisch zur Verfügung gestellte Geld vor allem für einen verlustreichen An- und Verkauf teurer Oldtimer aus den USA und zur Deckung seiner maroden Konten „im Schneeball-System“.

Die Kammer hielt am Dienstag neun Fälle besonders schwerer Untreue, Betrugs und Urkundenfälschung für erwiesen. Die wegen Beihilfe in drei Fällen mitangeklagte Ehefrau verurteilte das Gericht zu einer Bewährungsstrafe von gut einem Jahr. Sie hatte auf seine Veranlassung hin rund 175.000 Euro von einem Treuhand-Konto der Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Laboe auf Konten ihres Mannes transferiert, um dort Engpässe zu stopfen. Der DRK-Kindergarten konnte deswegen zeitweise Mitarbeitern keine Gehälter mehr bezahlen.

Den Gesamtschaden bezifferte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung auf über 1,7 Millionen Euro. Im Vertrauen auf die guten Dienste des Steuerberaters hatten ihm langjährige Mandanten zur Altersvorsorge hohe Einzelbeträge überwiesen oder in bar ausgehändigt. Sie glaubten seinen Versprechen auf eine sichere Geldanlage mit fünf bis sechs Prozent Zinsen, stellte das Gericht fest. Ursprünglich ging die Anklage sogar von 2,2 Millionen Euro Schaden und zwölf Fällen aus. Im Zuge einer Verständigung zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft wurden einige Fälle eingestellt. Zudem wurde dem Steuerberater für sein Geständnis ein milderer Strafrahmen von vier bis viereinhalb Jahren zugesichert. Ihm hatten bis zu zehn Jahren Haft gedroht.

Das Gericht folgte weitgehend dem Strafantrag des Staatsanwalts. Er hatte für den Steuerberater eine einen Monat längere Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf vier Jahre. Der 59-Jährige sitzt seit Oktober 2014 in Untersuchungshaft. Den Antrag des Verteidigers, den Haftbefehl vorübergehend auszusetzen, lehnte das Gericht ab - wegen Fluchtgefahr. Die Straftaten kommen den Angeklagten nach Feststellungen des Gerichts sehr teuer zu stehen. Er verlor Immobilienwerte und seine Steuerkanzlei und befindet sich in Privatinsolvenz. Zivilrechtlich klagten Ex-Mandanten erfolgreich auf Schadensersatz. Seine Ehefrau reichte inzwischen die Scheidung ein.  

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