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Stefan Kruber: „Ich werde bleiben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Aus Liebe zu Kiel“ lautet der Wahlslogan des CDU-Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt / Was zeichnet ihn aus, wie ist er privat / Ein Hausbesuch

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 05:43 Uhr

Stefan Kruber (37) läuft auf der Terrasse auf und ab, raucht, telefoniert und koordiniert. Seine jüngste Tochter Fiona beobachtet ihn dabei durch die Fensterscheibe. So sieht sie ihren Papa in letzter Zeit häufiger. Er will Kiels Oberbürgermeister werden, die Stadt, in der sie groß wird, wieder zu einer lebens- und liebenswerten Stadt mit Zukunft machen. Und das kostet Zeit. Viel Zeit. „Abends wenn ich nach Hause komme, schlafen meistens schon alle“, erzählt Kruber. Vor zwei Uhr schafft er es nicht ins Bett, die Texte für seine Homepage und die Flyer müssen geschrieben und layoutet, Presseanfragen beantwortet werden. Er textet selbst, denn er will authentisch sein für seine Wähler. Der Morgen beginnt früh, denn die ersten wachen Stunden des Tages will er mit seiner Familie verbringen. Um neun schafft er seine fünfjährige Tochter Alanna in die Kita, „damit wir wenigstens ein bisschen Zeit miteinander haben“. Danach switcht er zwischen Anwalts-, Presse-, Wahl- und Fraktionsterminen bis wieder Abend ist.

„Jede freie Minute verbringt er zu Hause“, erzählt sein Schwiegervater. Gemeinsam mit seiner Frau und Krubers Eltern unterstützen sie die junge Familie – nicht nur im Wahlkampf. Sein Schwiegervater ist überzeugt: „Ich glaube, dass er der geeignete Mann für Kiel ist.“ Warum? „Er ist hier aufgewachsen, kennt die Probleme und ihre Genese. Kiel braucht jetzt jemanden, der die Wirtschaft vorantreibt, für gute Arbeitsplätze sorgt, damit die jungen Leute nach dem Studium auch hier bleiben. Kiel braucht jemanden, der mit der Wirtschaft vertraut ist und dem die Wirtschaft vertraut. Dieser jemand sitzt vor Ihnen.“

Stefan Kruber lächelt ob des Lobes und fängt an von seiner Kindheit zu erzählen. Er ist groß geworden in der Stadt, die er voranbringen will – „gut bürgerlich“ in Russee. Der Vater lehrte an der Kieler Uni Wirtschaft, Politik und Didaktik. Seine Mutter unterrichtete Erdkunde und Französisch. Er war ein guter Schüler und „solider Verteidiger“ beim Fußball. Er schwamm und schwimmt gern, musste den Vereinssport jedoch wegen seiner Chlorallergie zurückfahren. Als kleiner Junge wollte er Pilot werden, doch der Wunsch erledigte sich mit der Brille, die er am Ende seiner Grundschulzeit bekam. Stattdessen studierte er Jura, denn „wenn man etwas in der Gesellschaft bewegen will, muss man verstehen, wie sie funktioniert und dazu ist Jura der richtige Einstieg“. Auf der Max-Planck-Schule, unweit seines heutigen Familienreiches, hatte er seine ersten Berührungspunkte mit der Politik – mal abgesehen von den Gesprächen im Elternhaus – „da war Politik immer Thema“. In der Arbeitsgemeinschaft „Politik persönlich“ tauschten Schüler und Politiker die Rollen – Stefan Kruber spielte beide Versionen, denn er kam auch Jahre nach seinem Abitur als Kommunalpolitiker wieder an die Schule.

Erstmals politisch engagiert hat sich Kruber in einer Bürgerinitiative, die sich gegen eine Autobahnzufahrt in Russee stark machte, „dort wo jetzt ein kleiner Bahnhof entstehen soll“. 1998 trat er dem Russeer Ortsbeirat als CDU-Mitglied bei, 2003 hat er sich in Hassee bei der Kommunalwahl aufstellen lassen und ist prompt gewählt worden. Im Rat wurde er anfangs skeptisch beäugt, wegen seiner langen Mähne. „Ich habe mich dann langsam vorgearbeitet“, erzählt er. Erst als baupolitischer Sprecher, dann im Bereich Finanzen, dann beides. Seit Ende 2009 ist er Fraktionsvorsitzender der CDU – und hält die „drittlängste Amtszeit“. Das sind 16 Jahre kommunalpolitische Erfahrung – mittlerweile mit kurzem Haar. „Nach so einer langen Zeit steckt man einfach in den Themen drin.“ Er betont das „ich“ nicht, das ist für Kruber selbstverständlich. Mit Dingen, die zu seinen Kompetenzen gehören, muss er nicht extra prahlen, das sagt auch seine Frau Ann.

Sie kennt ihn seit 1995 – kurz vor dem Abi – hat all seine Ämter und Ehrenämter parallel zu Studium und Beruf miterlebt, ihn bestärkt. Kennengelernt haben sich beide beim Spieleabend mit Freunden. „Er wusste so viel Kluges über historische Epochen zu berichten“, das hat seiner Frau gefallen. Heute weiß sie: Geschichte ist sein Hobby. Sie selbst ist eher der ruhigere Typ, hat den Doktortitel und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kieler Uni im Bereich Anglistik. Im Familienreich hat sie den guten Geschmack für das Wohnungsstyling und Deko und ist sein Organisationstalent. „Stefan bringt den Schwung und die Ideen und ich nehme etwas Geschwindigkeit raus und sortiere“, erzählt sie. Was sie aneinander lieben? „Dass der Gesprächsstoff auch nach so langer Zeit nicht ausgeht, es nie langweilig wird“, sagen beide.

„Was mir imponiert hat“, wirft sein Schwiegervater ein, „ist, dass er – aus gut bürgerlichem Haushalt – sein Arbeitsleben mit den sozial Schwachen begonnen hat.“ Stefan Kruber absolvierte seinen Zivildienst in der Arbeit bei Drachensee und war dort für 15 bis 20 Menschen mit Handicaps verantwortlich. „Das waren sehr wertvolle Erfahrungen.“ Nach dem ersten Staatsexamen baute er im Jobcenter Preetz damals die Verwaltung mit auf, hatte 120 Kunden – angefangen bei der alleinerziehenden Mutter bis hin zum Langzeitarbeitslosen. Später wechselte er als Jurist zum Landesverband der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, war dort mit Lobbyarbeit und dem Aufbau der Verbandsstruktur beschäftigt.

Dann kam das erste von zwei einschneidenden Erlebnissen – die Geburt von Tochter Nummer eins. Stefan Kruber nahm sich vier Monate Elternzeit, „um Zeit zu haben, das eigene Kind kennenzulernen“. Nach seiner Elternzeit kam der Sprung in die Selbstständigkeit als Anwalt für Arbeits-, Miet-, Straf- und Verwaltungsrecht in der Bürogemeinschaft am Ivensring auf dem Ostufer. Der Sprung war gewollt und ist geglückt. „Aber ich kann mir keine sechs Wochen Urlaub leisten, dann sind die Mandanten weg“, erzählt er mit Blick auf Kämpfers bezahlten Jahresurlaub für die Wahl ab dieser Woche. Benachteiligt sieht er sich deshalb nicht – „sonst hätte ich mich nicht beworben“.

Kruber nimmt sich zwei Wochen vor der Wahl frei. Bis dahin lebt er zwischen seinen Ämtern und Aufgaben. Die Familie steht hinter ihm – „ohne das würde es auch nicht gehen“. Und dann sagt er noch mit Hinblick auf das Oberbürgermeisteramt: „Ich werde bleiben, wenn ich gewählt werde – fünf Wahlperioden sind derzeit gesetzlich erlaubt, dann bin ich 67. Wem die Stadt wichtig ist, der muss Kruber wählen.“

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