zur Navigation springen
Kiel

11. Dezember 2017 | 05:46 Uhr

Geomar : Start in die teure Bauphase

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ehrgeiziges Vorhaben: Mit einem Volumen von 90 Millionen Euro will das Forschungsinstitut Geomar in den nächsten sämtliche Außenstellen in die Zentrale auf dem Seefischmarkt zurückholen. Lediglich das Aquarium an der Kiellinie bleibt an seinem Standort.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 21:06 Uhr

Der Wildwuchs soll ein Ende finden. Das ist das erklärte Ziel des ehrgeizigen Bauprojektes bei Geomar auf dem Ostufer der Kieler Förde. In den nächsten drei, vier Jahren – spätestens 2020 – sollen so gut wie alle 900 Mitarbeiter ihre Labors, Büros und Depots auf dem Gelände des Seefischmarktes vorfinden. Rund 90 Millionen Euro lässt sich das weltweit angesehene Forschungsinstitut die entsprechenden Neubauten kosten. Ein erstes Gebäude wurde schon abgerissen, das Platz für die Erweiterung machen musste. Das neue, zentrale Probenlager nimmt bereits Gestalt an.

„Wir wollten eigentlich schon lange damit durch sein“, erklärt Andreas Villwock, Leiter der Abteilung Kommunikation und Medien bei Geomar. Doch der Wechsel in die Helmholtz-Gemeinschaft 2012 (siehe Extra-Kasten) habe die nahezu fertigen Pläne noch einmal über den Haufen geworfen, ein eigener Architekturwettbewerb brachte Verzögerungen mit sich. Jetzt aber steht das Konzept: Das Wirkstoffzentrum am Kanal in Holtenau wird in den nächsten Jahren ebenso umziehen wie die Labors in der Villa an der Hohenbergstraße.

Einzig das Aquarium an der Kiellinie mit dem Seehundbecken, den dazugehörigen Experimentierräumen und der Seewasseraufbereitung bleibt an seinem Standort. Die Geomar-Büros in den oberen Stockwerken des Gebäudes in Düsternbrook aber werden ebenfalls in den folgenden Jahren zum Seefischmarkt umziehen. Der Forschung soll’s guttun. „Wir Wissenschaftler leben doch vom ständigen Austausch“, erklärt Sprecher Villwock.

Das Bauprojekt ist zumindest am Anfang eine Art Bäumchen-wechsle-dich-Spiel. Denn bevor die neue Zentrale hochgezogen wird, muss Platz geschaffen werden für Tausende von Bohrproben aus sämtlichen Weltmeeren. Dieses Zentrallager, das bereits im Sommer fertig sein soll, entsteht auf der bisherigen Parkfläche. Die Autos wiederum werden in einem mehrstöckigen Parkhaus untergebracht. Erst, wenn die Proben (Sedimentkerne und Gesteine) ins neue Lager umgezogen sind, wir das alte abgerissen.

Mit größter Vorsicht – immerhin war auf dem Seefischmarkt während des Zweiten Weltkriegs auch eine Torpedowerkstatt untergebracht – wurde das Baufeld vorbereitet worden. Im Herbst erfolgte der erste Spatenstich für den Hochbau. Mit der Fertigstellung des künftigen, bis zu fünf Geschosse hohen Hauptgebäudes rechnet Villwock für die Jahre 2019/2020. Die Nutzfläche wird für das Institut um rund 15  000 Quadratmeter erweitern. Und eine Reservefläche bleibt dann immer noch. Falls Geomar ähnlich stark wächst wie bisher.
 


Zur Geschichte von Geomar: Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gilt als eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Aufgabe des Instituts ist die Untersuchung der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Als Forschungszentrum für Marine Geowissenschaften hatte Geomar 1987 seine Arbeit aufgenommen. Das Institut bezog zunächst eine Etage im historischen Gebäude 4 auf dem Kieler Seefischmarkt an der Mündung der Schwentine. Aufgrund der erfolgreichen Forschung war bald ein Neubau erforderlich, der 1996 fertiggestellt wurde. Gemeinsam mit dem Institut für Meereskunde (IFM) auf dem Westufer (zuständig auch für das Aquarium an der Kiellinie) waren die Meereswissenschaften in Kiel damit stark vertreten. Aus der Zusammenarbeit der beiden Institute entstanden Fusionspläne. Anfang 2004 schlossen sich IFM und Geomar zum Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel zusammen (IFM Geomar). Seit 2006 ist auch Deutschlands einziges bemanntes Forschungstauchboot, die „Jago“, hier beheimatet. Am 1. Januar 2012 gab es erneut einen organisatorischen Umbruch. Mit der Aufnahme in die erlesene, bundesweite Helmholtz-Gruppe entstand das heutige Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das Institut hat heute fast 900 Mitarbeiter – und ist damit mehr als doppelt so groß wie bei der ersten Fusion 2004.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen