Ausstellung : Starker Kontrast zur bunten Meile

Eindringliche Flüchtlings-Skulpturen sind auf der MS Anton zu sehen.
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Eindringliche Flüchtlings-Skulpturen sind auf der MS Anton zu sehen.

Diese Ausstellung lässt Passanten innehalten: An der Hörn hat für einige Tage im Kieler-Woche-Trubel ein alter Fischkutter festgemacht - darauf stehen Skulpturen von Flüchtlingen. Ein Mahnmal.

shz.de von
21. Juni 2014, 06:56 Uhr

Stumm und eindringlich blicken sie einen an. Die 70 Passagiere an Bord der MS Anton lassen Passanten verwundert innehalten. Schaut man in die Gesichter der Skulpturen des dänischen Künstlers Jens Galschiot, kann man Armut, traumatische Erlebnisse und die stille Hoffnung, aufgenommen zu werden, zumindest erahnen. Mit der Kunstaktion auf dem früheren Fischkutter hat Kapitän Knut Andersen für die Nichtregierungsorganisation „Danish Society for a Living Sea“ schon in vielen Häfen festgemacht. Im Trubel der Kieler Woche ist sie ein starker Kontrast.

45 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Seit dem Jahr 2009 sind über 23 000 von ihnen bei dem Versuch, über das Mittelmeer zu flüchten, ertrunken. Ursachen für die Flucht sind vielfältig – politische, religiöse oder ethnische Verfolgung, Naturkatastrophen, Kriege, Hungersnöte. Der Kutter steht dabei nicht nur für das Mittel zur Flucht, sondern weist speziell auf das Thema Ernährung hin. „Europäische Fischereifahrzeuge dringen in nationale Hoheitsgewässer der Entwicklungsländer ein, um in Europa unseren Hunger nach Fisch zu stillen“, erklärte Pastorin Anke Schimmer vom Diakonischen Werk bei der Eröffnung. Für die einheimischen Fischer bedeute dies Verdienstausfall oder Armut und die Suche nach Alternativen. „Es wird deutlich, wie Politik, Handels- und Fischereiabkommen dazu beitragen, dass Menschen flüchten und versuchen, in Europa zu überleben.“ Bischof Gothart Magaard sagte, man solle lernen wollen zu verstehen und an „der Fremdlinge Herz“ denken, obwohl man selber nie im Exil war – „Am besten, man beginnt damit im eigenen Herzen.“


>Ausstellung bis 29. Juni, Hafenbecken Hörn, gegenüber dem Hauptbahnhof, täglich 14 - 22 Uhr; 1.-2. Juli in Eckernförde.

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