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Flüchtlinge : Stadt und Umland stimmen sich künftig ab

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der erste „Flüchtlingsgipfel“ im Kieler Rathaus zeigte: Nicht nur die Landeshauptstadt, auch die Umlandgemeinden stehen vor großen Herausforderungen. Von einer gezielten Absprache bei Wohnungs- oder auch Arbeitsmarktfragen erhoffen sich alle Teilnehmer spürbare Entlastungen.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 10:38 Uhr

Die Landeshauptstadt ist sich mit ihren Nachbargemeinden einig: Künftig soll die Betreuung von Asylbewerbern im Großraum Kiel besser koordiniert werden. Dabei geht es neben dem Wohnungsmarkt und der Unterbringung anerkannter Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt auch um die Abstimmung der ehrenamtlichen Unterstützung. Erste Maßnahme soll eine gemeinsame Internetseite sein. Schon in wenigen Tagen können sich die Kieler und die Umlandbewohner dort über Flüchtlingsprojekte informieren, dort sollen sie auch kompetente Ansprechpartner finden.

Sie können aber auch leeren Wohnraum melden. Der wird nämlich dringend gesucht. In sämtlichen Ämtern, Gemeinden und Städten im Großraum Kiel ist der Bedarf groß. Es soll künftig nicht mehr passieren, dass – Beispiel Kronshagen – ein leerstehendes Firmengebäude einen Fremdkäufer findet. Man hätte dort, wie Bürgermeister Uwe Meister erklärt, nach kurzem Umbau wohl 300 Flüchtlinge aufnehmen können. Doch das Projekt war für die Gemeinde, in der aktuell 125 Flüchtlinge leben, zu groß. Bei früher Absprache mit Kiel aber hätte der große Nachbar sicherlich eine feste Quote übernommen.

Die Gemeinden haben bisher ganz unterschiedliche Wege beschritten. Flintbek hat, wie Bürgermeister Olaf Plambeck sagt, Container neben dem Rathaus aufgestellt. Außerdem sind fünf Holzhäuser im Bau, die später als Ferienwohnungen dienen könnten. Heikendorf hofft nach Angaben von Amtskollege Alexander Orth auf günstige Kredite für feste Neubauten, drei Standorte sind bereits ausgewählt. Und Dänischenhagen mit seiner eher ländlichen Struktur setzt auf die Anmietung kleiner Wohnungen, wie Amtsvorsteher Sönke-Peter Paulsen hinzufügt.

Schwentinentals Bürgermeister Michael Stremlau – zuvor Leiter des Kieler Jobcenters – hat beobachtet, dass „die Flüchtlinge arbeiten wollen. Sie wollen ihr eigenes Geld verdienen.“ Man müsse deshalb im Kieler Raum gemeinsam Wege in die Ausbildung, in die Sprachförderung oder auch in 1-Euro-Jobs finden. Und das müsse auch sichtbar sein für die deutsche Bevölkerung, um Vorurteile zu widerlegen.

Achterwehrs Amtsdirektor Hans-Werner Grewin ist froh, den Paragraphendschungel zu Asyl künftig besser durchdringen zu können. Er sieht in der Kooperation sogar eine Wiederbelebung der früheren Arbeitsgemeinschaft Kieler Umland. Die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber bewerten alle Teilnehmer der gestrigen Runde als große Herausforderung. „Es ist sauschwer, aber machbar“, erklärte Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken – er hatte die Initiative zum „Flüchtlingsgipfel“ ergriffen.
 

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