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Flüchtlinge : Stadt Kiel stellt im Januar Asylcontainer auf

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 450 Asylbewerber kamen in diesem Jahr nach Kiel. Die fünf städtischen Unterbringungen sind restlos überfüllt. Container in Elmschenhagen sollen Wohnraum für bis zu 60 Flüchtlinge bieten.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2013 | 06:45 Uhr

Noch liegt die Fläche hinter Schloss und Riegel. Aber im Januar sollen hier am Ellerbeker Weg in Elmschenhagen, gegenüber der Hochhäuser die Flüchtlingscontainer der Stadt aufgestellt werden. Vorerst für 30 Personen, jedoch mit der Möglichkeit für bis zu 60 Wohnraum zu schaffen.

Mehr als 450 Asylbewerber sind bisher in diesem Jahr in die Landeshauptstadt gekommen, wöchentlich werden es zehn bis zwölf mehr. Im Vergleich zu 2010 hat sich damit die Zahl der Flüchtlinge, die überwiegend aus Tschetschenien, Syrien, Serbien und Afghanistan kommen, verdreifacht. Normalerweise sollen nach Kiel kommende Antragssteller, wie es im Amtsdeutsch heißt, nach einer Orientierungsphase in einer Gemeinschaftsunterkunft eine eigene Wohnung anmieten. „Doch dieses Vorgehen können wir seit Monaten nicht mehr leisten“, formuliert StadtratAdolf-Martin Möller in einer geschäftlichen Mitteilung. Die fünf städtischen Unterbringungen sind mit insgesamt 218 Plätzen längst restlos überfüllt.

„Wir stehen vor einem Riesenproblem“, bestätigt Manfred Wagner, Leiter des Amtes für Wohn- und Grundsicherung. Täglich versucht eine Mitarbeiterin eigene Wohnungen für die Asylbewerber zu finden, um wieder Platz für Neuankömmlinge zu schaffen, dafür jedoch sind auch Sprachkenntnisse Grundvoraussetzung und diese sind nur in seltensten Fällen vorhanden. „Wir können die Leute ja nicht auf der Straße schlafen lassen“, sagt Wagner. Deshalb gebe es Absprachen mit Hotels, auf die in der jüngsten Vergangenheit oft zurückgegriffen wurde. Der Großbrand im Oktober in Elmschenhagen bereitet zusätzlich Probleme, denn auch hier wurde dringend benötigter Wohnraum zerstört.

Was also tun? Die Wohncontainer sollen nach derzeitigem Stand im Januar auf der Fläche aufgebaut werden. Die Kosten belaufen sich laut Wagner pro Jahr auf 90 000 Euro. Wagner: „Jeder Euro ist ein Problem für unseren Haushalt aber das Schicksal der Menschen ist so nicht hinnehmbar.“ Außerdem würden 70 Prozent der Unterbringung vom Land finanziert.

Nach unseren Informationen prüft die Stadt derzeit, welche Mittel notwendig wären, um die Wohnungen auf dem MFG-5-Gelände für die Asylbewerber nutzen zu können. Wagner: „Da stehen hervorragende Offizierswohnungen leer. Das Gelände muss nur wieder ans Netz gebracht werden.“ Genau darüber soll gerade verhandelt werden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Gelände verwaltet, bestätigte die laufenden Gespräche über „eine Zwischennutzung auf Teilflächen“. Entscheidend sei laut Bima, ob und wie die Sicherheit von Personen gewährleistet werden kann, die die Liegenschaft im Rahmen von Zwischennutzungsverträgen betreten würden. „Da es sich bei dem MFG-5-Gelände um ein Objekt handelt, das seit Jahrzehnten rein militärisch geprägt wurde und viele Baulichkeiten in einem problematischen Zustand sind, besteht leider ein sehr hohes Gefährdungspotential für Gesundheit und Leben von Personen. Dies gilt auch und im Besonderen für eine Nutzung zu Wohnzwecken, wie zum Beispiel der Unterbringung von Asylbewerbern“, sagt Sachbearbeiter Raymund Karg von der Bima. Gemeint sind teils kaputte Bauwerke (Gebäude, Keller, Bunker, Gräben, Schächte, Masten, Tanks), die Kaikante und die Verkehrswege, die laut Karg alle in teils äußerst problematischem Zustand sind. Jugendliche und Kinder würde dies nahezu anziehen, „deshalb lässt die Bima das Gelände rund um die Uhr bewachen“, so Karg. Aus Sicht der Bima könne eine öffentliche Nutzung nur unter der Regie der Stadt „mit vollständiger Übernahme der Verkehrssicherung und damit der uneingeschränkten Verantwortung“ erfolgen.

Bürgermeister Peter Todeskino betätigt die Prüfung, sagt gleichwohl: „Wir müssen sehen, ob die soziale Infrastruktur stimmt. Wir wollen Asylbewerber nicht abschieben, sondern menschenwürdig unterbringen.“ Anfang 2014 wird mit einer Entscheidung in der Sache gerechnet.

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