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Ganz Besonderer „Vatertag“ : Stadt entdeckt die „Väterzeit“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Kieler Verwaltung fordern immer mehr Männer mehr Zeit für die Familie. Zu diesem Thema gab es gestern einen Fachtag in der IHK zu Kiel.

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2015 | 06:06 Uhr

Kind oder Karriere? Junge Männer und Frauen wollen sich heutzutage nicht mehr für einen Weg entscheiden müssen, sondern beides unter einen Hut bringen. Diesen Trend hat die Kieler Stadträtin für Bildung, Jugend und kreative Stadt, Renate Treutel, auch im Rathaus entdeckt. Familienfreundlichkeit sei ein harter Standortfaktor geworden, sagt sie – und nennt ein Beispiel: „Die heutigen 20- bis 34-Jährigen geben sich auch in Bewerbungssgesprächen selbstbewusster. Sie fordern flexible Arbeitszeitmodelle ein.“ Und die Mitarbeiter, welche Kinder bekommen, wollen in Elternzeit gehen können. Das seien nicht nur Frauen, sondern auch Männer: „Es werden immer mehr“, betonte Renate Treutel, die sich mal für drei Monate in die Väterzeit verabschiedeten. Und die voller Elan und zufrieden wiederkämen. Zahlen nennen konnte sie allerdings nicht.

Zahlen standen gestern im Kieler Haus der Wirtschaft allerdings auch nicht im Vordergrund. Treutel und Personal-Experten von IHK und Kieler Unternehmen kamen dort gestern zu einem speziellen „Vatertag“ zusammen, um rund 60 Vertreter von Firmen und sozialen Einrichtungen ganz grundsätzlich für das Thema Väter im Job zu sensibilisieren. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde bisher zu selten aus dieser Sicht betrachtet“, so der Sprecher der IHK zu Kiel, Michael Legband. Aus Sicht der IHK müssen sich Unternehmen besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel besser aufstellen und auch Vätern familiengerechte, attraktive Angebote machen. „Auch wenn dies kurzfristig anstrengender sein mag – es ist ein strategischer Wert und kein Gedönsthema mehr“, ergänzte Hans Joachim Beckers, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung an der IHK zu Kiel.

In der Landeshauptstadt gibt es neben der Verwaltung auch Unternehmen, die den Wert der Väterfreundlichkeit entdeckt haben. Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) ist ein großer Arbeitgeber in Kiel – und nach Aussage von Christine Tunnat aus der Personalbetreuung ist TKMS ebenso wie die HSH Nordbank Teil eines Arbeitskreises, der sich über Maßnahmen und Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf austauscht. Auch sie konnte, ebenso wenig wie Christine Schulze-Seegert (HSH-Nordbank), Zahlen über „Väterzeiten“ nennen: „Das ist noch punktuell.“

Treutel und die anderen Experten sprechen von einer Entwicklung. Eine fertige Strategie habe auch die Stadtverwaltung nicht, so Treutel. Es gebe mehrere Wege zur Flexibilität am Arbeitsplatz. So greife die Verwaltung neben der Elternzeit auch auf andere Modelle zurück – bewährte Wege wie Teilzeit, die Tele-Arbeit oder auch Online-Konferenzen. Treutel: „Es gibt Mitarbeiter, die wollen Vollzeit arbeiten und Überstunden machen – dafür aber an einem Tag in der Woche um 15 Uhr Feierabend haben. Das ist der Tochter-Tag.“

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