zur Navigation springen

Kiel: Wahlergebnisse : SPD verliert in der Stadt an Boden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die drei Direktmandate täuschen darüber hinweg, dass die Partei in ihrer einstigen Hochburg bei Erst- wie Zweitstimmen eingebrochen ist.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 18:28 Uhr

Torsten Albig bleibt ein Geheimnis für die Sozialdemokraten. Der Noch-Ministerpräsident holte bei der Landtagswahl am Sonntag im Wahlkreis Kiel-Nord zwar das erwartete Direktmandat für seine Partei, gleichzeitig aber übertraf hier die CDU die SPD bei den Zweitstimmen. Ein Wahlkreis mit einer relativen CDU-Mehrheit – das hat es nicht mehr gegeben, seitdem im Zuge der Wahlrechtsreform 2000 aus fünf Kieler Wahlkreisen drei entstanden waren. Die    Landeshauptstadt war wahlpolitisch gesehen stets eine sichere Bank der SPD. Mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst aber wittert die CDU jetzt Morgenluft.

Neben Torsten Albig (37,9 Prozent bei den Erststimmen in Kiel-Nord) sicherten sich auch Özlem Ünsal (36,5 Prozent in Kiel-West) sowie Bernd Heinemann (40,3 Prozent in Kiel-Ost) ihren direkten Wiedereinzug ins Landesparlament. Die CDU-Kandidaten Robert Vollborn (29,4 Prozent), Tobias Loose (27,7) und Floriana Igrishta (28,0) blieben zwar auf Abstand, doch sie konnten die Lücke zu den Sozis spürbar verkleinern. Bis zu 26 Prozentpunkte lagen bei der Landtagswahl 2012 zwischen den SPD- und CDU-Bewerbern, diesmal waren es nur maximal zwölf Punkte.

Bei der SPD im Kieler Norden hatte es bei der Nominierung des Direktkandidaten vor einem Jahr Irritationen gegeben. Regierungschef Torsten Albig setzte seine Nominierung durch – und erhielt prompt die Quittung, als er im direkten Duell mit Gesine Stück nur 62,5 Prozent der Unterstützerstimmen erhielt. Am Sonntag bei der Landtagswahl schmolz der SPD-Anteil bei den Zweitstimmen von 34 auf 24 Prozent, gleichzeitig steigerte sich die Union von 21,9 auf 25,1 Prozent.

Jürgen Weber, der Kieler SPD-Vorsitzende, hat noch keine griffige Erklärung für das relativ gute Abschneiden bei den Erststimmen bei gleichzeitigem Einbruch bei den Zweitstimmen: „Ich weiß zurzeit keine Antwort.“ Mit Blick auf die nackten Zahlen ist für ihn jedenfalls eine Abstrafung von Albig – wie sie vielleicht manch SPD-interner Kritiker wünscht – schwierig zu begründen. Weber stellt aber gleichzeitig klar: „Das Ergebnis der Landtagswahl ist dramatisch – daran ist nichts zu deuteln.“ Die SPD hat in der Stadt Kiel klar verloren. Insgesamt sank der SPD-Anteil von 36,1 auf 27,7 Prozent. Anders ausgedrückt: In Kiel fuhr die SPD viel größere Verluste ein als im Landesdurchschnitt.

Dies stärkt die Zuversicht der Union für die bevorstehende Bundestagswahl im September. „Wir wollen den Schwung nutzen“, sagt Thomas Stritzl, der Kieler CDU-Vorsitzende. Jetzt, wo Albig „mit Martin Schulz auf der Förde gekentert ist“. Stritzl denkt an Berlin und darüber hinaus an die nächste Kommunalwahl. In Kiel will man der SPD die bislang führende Rolle streitig machen.

Die Grünen konnten bei der Landtagswahl in der Landeshauptstadt ihren hohen Anteil von 18,0 Prozent (2012) noch auf 18,4 Prozent steigern. Auch die Linken schafften in Kiel, was ihnen landesweit versagt blieb: eine Verdopplung der Stimmen von 3,4 auf 7,2 Prozent. Die FDP (10,4) liegt dagegen ebenso wie der SSW (3,2) knapp unter den landesweiten Zahlen. Und noch ein weiteres Ergebnis ist bemerkenswert: Die AfD kann in Kiel mit nur 5,2 Prozent nicht richtig Fuß fassen. Selbst auf dem Ostufer mit seinem hohen Migranten-Anteil sind es nur 7,5 Prozent – da sehen die Zahlen etwa in Lübeck doch ganz anders aus.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen