Klinik-Clowns : Spaßärzte erleichtern Klinikalltag

Sie erheiterten den Alltag im Krankenbett für Jeanise (10): Harald Roos (v.l.) alias Dr. med. Wurst, Gerhard Fassak alias Dr. Max-i und die  Francokanadierin Daniele Trepanier alias Dr. Baguette.
Sie erheiterten den Alltag im Krankenbett für Jeanise (10): Harald Roos (v.l.) alias Dr. med. Wurst, Gerhard Fassak alias Dr. Max-i und die Francokanadierin Daniele Trepanier alias Dr. Baguette.

Die Klinik-Clowns feiern heute ihren zehnten Geburtstag in der Kinderklinik. Sie bringen kleine Patienten in Kiel und Neumünster regelmäßig zum Lachen. Als Dr. med. Wurst, Dr. Max-i und Dr. Baguette lenken sie die Kinder von ihren Krankheiten ab.

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14. März 2014, 04:13 Uhr

Mit dem Fahrstuhl kommt die Musik in den sechsten Stock der Kinderklinik am UKSH. Als sich die Türen öffnen, entdecken die ersten Patienten die „Ärzte“ in buntgemalten Kitteln und roter Nase, auf die sie schon sehnsüchtig gewartet haben. Ihre Medizin ist humorvoll, ihre Therapien erfolgreich.

Die zehnjährige Jeanise ist die erste Patientin der drei Klinik-Clowns. Dr. med. Wurst (Harald Roos) testet als erstes die Reflexe. „Alles okay“, stellt er nach kurzen Quietschern im Kniebereich fest – die Lachmuskeln funktionieren bei allen Patienten am besten. Dann kommt der Sehtest – in zwei Stufen. „Siehst du diese Tüte?“, fragt Dr. Max-i – besser bekannt als der „Ecksperte“. Jeanise antwortet mit „Ja“. „Super“, freut sich Max-i. „Und jetzt Stufe zwei: Kannst du diese unsichtbare Kugel (gibt sie ihr in die Hand) in meine Tüte werfen?“ Jeanise kann – mit lustigen Geräuschen begleitet, ploppt tatsächlich etwas in der Tüte. Es folgen unzählige Wortwitze, Tricks und kunstvoll geformte Luftballon-Tiere für Jeanise und ihre Bettnachbarn. „Das ist ein schöner letzter Tag“, sagt das Mädchen nach der Visite der besonderen Art. Sie leidet an epileptischen Anfällen und wurde in Kiel medikamentös neu eingestellt.

Die Clowns ziehen weiter mit ihren Wagen und Musik. In Zimmer sieben wartet die kleine Laura aus Neumünster sehnsüchtig auf spaßige Unterhaltung, bevor sie mit ihrem frisch operierten Arm wieder in die Unfallchirurgie muss. Die Sechsjährige strahlt, als Dr. med. Wurst die Tür öffnet und sich vorstellt – natürlich mit Gag: „Du darfst Würstchen zu mir sagen.“ Mit seinem Abhorchgerät kümmert er sich gemeinsam mit Laura um Bärli, dem Lieblingsplüschtier des Mädchens, der natürlich auch eine Verletzung am Arm hat. Per Funk telefoniert er mit Bärli und entscheidet sich anschließend für die Tellertherapie – Jonglage im Bett wirkt wahre Wunder. Am Ende klatscht sogar Lauras Papa Beifall. „Es ist so toll, dass es das gibt“, sagt er.

Dieses Lob und das Lachen der Kinder ist der beste Lohn für ihre Arbeit und Ansporn zugleich, da ist sich das Klinik-Clown-Team einig. „Egal wie schlecht es den Kleinen geht, in dem Moment, wo wir da sind, geht es ihnen ein Stückchen besser“, erzählt Harald Roos. Auch an den Klinik-Clowns gehe nicht alles spurlos vorbei. Gerade auf der Kinderkrebsstation kennen sie viele Kinder über einen langen Zeitraum und werden häufig mit dem Tod konfrontiert. „Über Akutes reden wir gleich in der Umkleide, manches merkt man auch erst später oder unterbewusst in Form von Erschöpfung“, sagt Roos.

Harald Roos hob das Projekt zusammen mit Gerhard Fassak, Prof. Ulrich Stephani (Leiter der Kinderklinik) und dank der Spenden des Schlemmermarktes Freund Ende 2003 aus der Taufe. Stephani: „Ich halte Lebensfreude für sehr wichtig für einen guten Heilungsprozess.“ Und Roos begründet seine Idee so: „Es hat neben dem Straßenkünstlerdasein immer noch etwas gefehlt, ich wollte meine Fähigkeiten in einen höheren Dienst stellen, für einen guten Zweck.“ Der Erfolg und das Lob ehemaliger Patienten und Eltern zeigen ihm, dass dieser Schritt wichtig war. Über die Jahre sind weitere Stationen hinzu gekommen, selbst in Neumünster sind die Clowns immer mittwochs und sorgen für gute Laune. Auch das Team hat sich verstärkt – zwei Frauen kamen hinzu.

Heute ab 15 Uhr feiern die Klinik-Clowns ihr zehnjähriges Bestehen im Hörsaal der Kinderklinik ab 15 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen.

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