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55-Jähriger aus Wahlstedt : Sohn mit Messer attackiert – zwei Jahre Haft

vom

Aus Zorn griff er seinen Sohn an: Nach der Messerattacke musste sich ein Mann aus Wahlstedt (Kreis Segeberg) vor Gericht verantworten. Am Montag fiel das Urteil gegen den 55-Jährigen.

shz.de von
erstellt am 24.02.2014 | 07:00 Uhr

Kiel | Milde Strafe für einen Vater, der mit dem Messer auf seinen 32 Jahre alten Sohn losging: Das Kieler Landgericht verurteilte den Angeklagten am Montag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft. Die 8. große Strafkammer blieb damit weit unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der Ankläger hatte die Tat als Mordversuch gewertet und dafür acht Jahre und zwei Monate Haft beantragt.

Doch das Schwurgericht unter dem Vorsitzenden Richter Jörg Brommann sah mehrere Milderungsgründe, darunter die Alkoholkrankheit des nicht vorbestraften 55 Jahre alten Angeklagten. Deswegen ordnete das Gericht auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Zur Tatzeit hatte der Mann etwa 2,2 Promille Alkohol im Blut. Strafmildernd war aber auch, dass die Tat im Versuch steckenblieb.

Der Vater war am 25. August 2013 in Wahlstedt (Kreis Segeberg) plötzlich zum Sohn ins Auto gestiegen und hatte laut schimpfend ein Messer gezogen. Der ihm körperlich überlegende 32-Jährige konnte die Attacke aber abwehren und wurde nur leicht an der Hand verletzt.

Zuvor hatte der Vater ihn bereits mit einer Flut von SMS bedroht. Darin hieß es unter anderem: „Versteck Dich - Ich stech' Dich ab - Ich hab keine Angst vor dem Gefängnis.“ Zur Tat trieben den Angeklagten „eine Mischung aus Wut, Verzweiflung und Verärgerung“, sagte der Vorsitzende Richter. Seine ebenfalls Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland übergesiedelte Frau hatte ihn ohne ein Wort der Erklärung verlassen - zusammen mit der jüngeren Tochter und dem Enkelkind. Der Sohn hatte sie dabei unterstützt.

Auch von seiner Frau, beide sind über 30 Jahre verheiratet, fühlte sich der Angeklagte hintergangen. Sie hatte 6000 Euro vom gemeinsamen Sparbuch abgehoben, außerdem seine Unterschrift unter einem Kredit über 5000 Euro gefälscht. Zusätzlich bürgte er für einen Autokredit seines Sohnes, der eine Rate nicht bediente. Zum Angeklagten hielten nur noch dessen Schwester und die ältere Tochter. Sie saß bei der Urteilsverkündung mit im Gerichtssaal.

Zweimal wollte sich der Angeklagte das Leben nehmen. Er ließ sich deswegen vorübergehend in eine psychiatrische Klinik einweisen. Im Prozess hatte er ausgesagt, er habe den 32-Jährigen nicht töten, sondern nur mit ihm reden wollen. Das nahm ihm die Kammer nicht ab.

Sie ging aber anders als der Staatsanwalt nicht von den Mordmerkmalen Heimtücke und niederen Beweggründen aus. Der Angeklagte habe aber mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt. Der Staatsanwalt will Revision prüfen. Er kritisierte, „das Strafmaß wird dem Unrecht der Tat nicht gerecht“. Die Verteidigung hatte auf gefährliche Körperverletzung plädiert. Sie hielt eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren für ausreichend. Der Angeklagte nahm das Urteil mit gesenktem Kopf und ineinandergelegten Händen auf. Er hatte sich im Gericht bei seinem Sohn unter Tränen entschuldigt und ihm ein Schmerzensgeld zugesagt.

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