So selbstständig wie möglich: Stiftungswohnhaus feiert 25 Jahre

Feiern die 25 Jahre am Breiten Weg: (v.li.) Wolfgang Assel, Mirco Westphal, Carolchen Föge, Heike Lilla-Proff und Sönke Lintzen, Bereichsleiter Kommunikation,
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Feiern die 25 Jahre am Breiten Weg: (v.li.) Wolfgang Assel, Mirco Westphal, Carolchen Föge, Heike Lilla-Proff und Sönke Lintzen, Bereichsleiter Kommunikation,

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13. März 2017, 10:28 Uhr

Ein normales und selbstbestimmtes Leben führen – das ist für die einen selbstverständlich, für die anderen eine Herausforderung. Die Stiftung Drachensee ermöglicht seit nun 25 Jahren Menschen mit Behinderungen im Wohnhaus am Breiten Weg ein weitestgehend autarkes Leben.

Mit der Gründung des Wohnverbundes der Stiftung Drachensee entstanden von 1984 bis 1994 insgesamt elf Wohnhäuser in Kiel, Kronshagen und Schönkirchen. Das Ziel des Wohnverbundes ist es, Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben und die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehören für die Bewohner etwa der Sportverein, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, eine Arbeitsstelle sowie selbstständiges Einkaufen und Kochen. Das Prinzip, so Stiftungsvorstand Klaus Teske, sei: „So selbstständig wie möglich, so wenig Unterstützung wie nötig.“

1992 kam mit dem Wohnhaus am Breiten Weg – der ehemaligen Ellen-Cleve-Schule – das vorerst letzte große Haus der Stiftung Drachensee hinzu. Der Ballettsaal der einstigen Tanzschule ist heute das Zimmer von Gaby Wüstemann. Die 52-Jährige lebte zuvor im Postillionweg. Am 13. März 1992 wechselte sie dann an den Breiten Weg. „Hier sind die Einkaufsmöglichkeiten besser mit dem Rollator zu erreichen“, befindet Gaby Wüstemann. Das Frühstück bereite sich jeder Bewohner selbst zu, das Abendbrot esse die Wohngruppe aber zusammen.

In dem unscheinbaren Haus nahe des Dreiecksplatzes arbeiten 13 Betreuungskräfte. Die Bewohner sind im Alter zwischen 18 und 74 Jahren. Eine Wohngruppe wird aktuell auf ein komplett eigenständiges Leben vorbereitet. Einer von ihnen ist Mirco Westphal. Seit zwei Jahren lebt er am Breiten Weg, tagsüber arbeitet er in der Landschaftsgärtnerei des Flintbeker Eiderheims. Neben seinem von Heike Lilla-Proff bestätigten Talent für die Zubereitung von Nudelsoßen ist der 26-Jährige leidenschaftlicher Fußballspieler. „Ich trainiere zweimal pro Woche in der Gelehrtenschule“, erklärt Westphal. Dass an seiner Zimmertür in Großbuchstaben „Mirco Vorwerk“ steht, hat einen Grund: „Ich bin Vorwerk-Fan“, so Westphal. „Ich habe mit acht angefangen, Staub zu saugen. Ich mache auch den Großputz im Haus.“

Auch Carolchen Föge weiß ihre Freizeit zu nutzen: So ist die 50-Jährige Ensemble-Mitglied beim Integrativen Theater und unternimmt regelmäßig Ausflüge zum Kegeln oder Schwimmen mit der Lebenshilfe Altenholz. Die begeisterte Tänzerin freut sich schon jetzt auf den 25. März. Denn an diesem Tag feiern Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter und Nachbarn des Wohnhauses Breiter Weg das 25-jährige Jubiläum mit einem großen Fest. „Mein Freund ist auch dabei, er kann sehr gut tanzen“, sagt Carolchen Föge nicht ohne Stolz.

Die Stiftung Drachensee ist eine der größten Institutionen für Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein. Sie bietet 620 Werkstattplätze an drei Standorten in Kiel. Neben mehr als 200 Wohnplätzen unterstützt die Stiftung 400 Menschen mit Behinderungen und ihre Familien ambulant. Im November bezieht die Stiftung im Anscharpark ein Wohnhaus.

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