So rettete Thea (7) ihrem Vater das Leben

Die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig, Thea und der Kieler Feuerwehr-Dezernent Wolfgang Röttgers weisen auf den Notruf 112 hin.
1 von 3
Die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig, Thea und der Kieler Feuerwehr-Dezernent Wolfgang Röttgers weisen auf den Notruf 112 hin.

Mädchen mit Bruder (1) und Vater allein zu Haus, als er kollabiert /Hilfe über Notruf / Betreuung bis Eintreffen der Retter / Gestern für Einsatz gewürdigt

shz.de von
25. Juli 2015, 06:15 Uhr

Es ist kein gewöhnlicher Abend, dieser Abend des 26. März. Thea (7), ihr Bruder Erik (1) und Vater Jörn (48) sind allein zu Haus in Blekendorf. Mutter Nicole (37) hat am Tag zuvor im Eutiner Krankenhaus den jüngsten Spross der Familie zur Welt gebracht. Bent und Mutter erholen sich von der Geburt. Die anderen drei wollen zu Hause im Kreis Plön zu Abend essen. Doch daraus wird nichts. Der Tag wird für den Vater bei seiner Frau im Krankenhaus enden. Als Patient. Dass er diesen Abend ohne gesundheitliche Folgen überstanden hat, verdankt der 48-Jährige seiner Tochter.

Die Siebenjährige rief geistesgegenwärtig den Notruf 112 an, landete in der Kieler Rettungsleitstelle. Denn die ist nicht nur für die Landeshauptstadt, sondern auch die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Plön zuständig. 57  000 Einsätze gab es 2014 – Tendenz steigend. Die Einsatzkräfte lotste Thea mit Hilfe von Disponent Tim Körber (kleines Foto) bis zur Haustür. Für ihren Einsatz, der wohl das Leben ihres Vaters rettete, würdigten gestern die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig und Kiels Feuerwehr-Dezernent Wolfgang Röttgers die kleine Thea in Kiel. Sie lobten das aufgeweckte Kind für sein starkes Verhalten: „Ich weiß nicht, ob andere siebenjährige Mädchen das geschafft hätten“, sagte Röttgers. Thea habe „sehr, sehr gut reagiert – denn ihr Vater war nicht mehr ansprechbar“.

Was war geschehen? Bevor sie essen konnten, wollte Vater Jörn sich hinlegen. Es ging ihm nicht gut. Doch so weit kam er nicht. „Ich kann mich daran erinnern, dass mein Papa umgefallen ist“, erzählt Thea. „Das war ein großer Schreck.“ Er knallte gegen den Türrahmen, blieb bewusstlos auf dem Fußboden liegen. „Ich habe erst gedacht, was mache ich jetzt?“, fährt Thea fort. Opa und Oma wohnen zwar nebenan. Doch Thea erinnert sich an die Krankenwagen, die sie schon mal gesehen hat. Und an die drei großen Ziffern: 1-1-2.

Die wählt sie, wird mit Tim Körber (36) in Kiel verbunden. „Brauchst du Hilfe?“, fragt er. „Nein, aber mein Papa“, antwortet Thea. „Der liegt auf dem Flur.“ Ruhig und gefasst nennt die Erstklässlerin Namen und Adresse. Körber schickt Rettungswagen und Polizei los, will herausfinden, wie es dem Mann geht. Thea soll zu ihrem Vater gehen. Zuerst hat sie Angst. Dann traut sie sich doch. Sie beschreibt Gesichtsfarbe, Atemgeräusche. Plötzlich kommt der Vater zu sich. Desorientiert nimmt er Thea den Hörer aus der Hand, legt auf. Körber ruft zurück, erklärt ihm die Lage. „Aber der stand völlig neben sich.“ Mit Thea spricht er bis zum Eintreffen der Kräfte. Die können den Vater sofort behandeln. Noch einmal kollabiert er. Und wird ins Krankenhaus gebracht – zu seiner Frau.

Ihrem Mann gehe es wieder gut, sagt sie heute. Natürlich habe sie große Sorgen gehabt. Fünf Tage lag er im Krankenhaus. Was er hatte, „weiß keiner genau“, sagt die 37-Jährige. Im ersten Moment habe es lebensbedrohlich gewirkt. Offensichtlich habe er ein Herz-Kreislaufproblem gehabt. „Aber es war kein Herzinfarkt.“ Stolz ist sie auf ihre Tochter. „Thea ist die große Schwester. Das merkt man“, lobt Mutter Nicole. Tim Körber ergänzt: „Was sie geleistet hat, das schaffen nicht mal einige Erwachsene.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen